Schweden 2021 – Sonnwend am Silverleden

Bald ist Herbsttagundnachtgleiche, bald sind die Nächte länger als die Tage. Zeit, die helle Jahreszeit ausklingen zu lassen und zu reflektieren, die Ernte einzufahren, all die Erkenntnisse zu integrieren. Vor einem Vierteljahr war ich in Schweden, mein erster Mittsommer dort! Und ich war alleine irgendwo an einem See, sehr fein war das:

So machte ich mich also auf eine kleine, feine Wanderung am Silverleden. Ich bin nicht mehr so diejenige, die unbedingt viele Kilometer machen muss, sondern eher auf Genießerin. Ein wenig gehen, so um die Mittags- oder frühe Nachmittagszeit an einem feinen Platz ankommen, es mir dort gemütlich einrichten und dann dort SEIN. Nachdem meine Lieblingsbeschäftigung am See sitzen und schauen ist, ist Schweden das perfekte Land dafür, schließlich kommt man am Tag meist gleich an mehreren davon vorbei. Es beruhigt mich einfach, bringt mich ganz zu mir, ich kann entspannen und ich liebe es, wie sich das Licht verändert, kleine Sonnenglitzerfunken auf dem Wasser perlen, Wellen sanft ans Ufer rollen, die Seerosen sich wiegen.

Der Silverleden ist ein Rundweg von 65km, der mehr oder weniger direkt am Camp vom Outdoorcenter Bergslagsgården vorbeiführt und den man super mit einem Aufenthalt dort kombinieren kann. Man kann ihn als ganze Schleife gehen oder eben so wie ich nur Teile davon,  wie es eben gerade passt. Es gibt mehrere von diesen wunderbaren Windschutz-Hütten, ein paar Aussichtspunkte, Moore und Sehenswürdigkeiten aus der Bergbauvergangenheit der Region.

Das Wetter war eher durchwachsen, oftmals bewölkt, dann ein wenig Sonne und abends/nachts Gewitter und was für welche! So dass ich sehr froh war, ein Dach und nicht nur ein Stück Stoff über dem Kopf zu haben! Und auch froh, nicht in einem Kanu auf einem See zu sein! An sich waren es nur 8km bis zum nächsten Windschutz, aber mit großem Rucksack kommt einem das gleich mal länger vor. Zunächst an einem schönen Moor vorbei hinauf auf einen Aussichtspunkt, dann wieder hinunter über Stock und Stein zum nächsten See. Der Windschutz dort war einer der schönsten, an denen ich je sein durfte. Sehr geräumig, super aufgeräumt, es lag sogar ein kleiner Stapel Holz bereit zum Entzünden im Trockenen, eine Veranda mit Wäscheleine und Strand direkt davor. Ein Traum!

Erstmal was essen und baden, die Gegend erkunden. Mich einfach auf den nächsten Felsen setzen und schauen. Weiß dann auch gar nicht mehr, was ich so gemacht habe, denn ich BIN einfach. Mal etwas Tagebuch schreiben, die Seerosen bewundern, einen Baum umarmen, im Hüttenbuch lesen und einen Gruß hinterlassen, später wieder essen und Yoga machen. Das Gewitter abends war wirklich heftig, vorher war es recht schwül und ich zog mich in die hinterste Ecke der Hütte zurück so schräg kam der Starkregen, einmal war Blitz und Donner gleichzeitig über mir! Visualisiere mir dann immer eine riesige Schutzkugel rund um mich, die den Windschutz und die Bäume ringsum mit einschließt, um mich sicherer zu fühlen so ganz allein im Wald, den Elementen ausgesetzt. Immer wieder werde ich gefragt, ob ich denn keine Angst hätte, so ganz alleine – ja klar hab ich die! Aber auch die beste Chance, mich damit auseinanderzusetzen, meine ganz eigenen Methoden finden, mit ihr umzugehen. Sei es atmen, mir Schutzkreise vorzustellen, mir gut zuzureden, mich entsprechend vorzubereiten und auszurüsten und Leute wissen zu lassen, wo genau ich bin.

Am nächsten Tag machte ich mir ebenfalls wieder einen sehr gemütlichen Tag – räumte meine Sachen alle zusammen und ließ das meiste im Windschutz zurück. Auf der anderen Seite des Sees war leider ein Kahlschlag, so was macht mich immer sehr traurig und irgendwo fuhr auch lautstark ein Bulldozer durch die Gegend. Der Silverleden führt genau durch diese Fläche, zum Teil wuchs immerhin schon Gras drüber. Weiter hinauf ging es zu einem sehr abenteuerlichen Aussichtsturm, ich kam nicht sehr weit, das war mir doch zu unsicher so luftig in dieser Metallkonstruktion, durch die der Wind pfiff.

Zurück am Windschutz war alles noch da und ich verbrachte einen weiteren Nachmittag mit baden, am Ufer sitzen und schauen und essen und Yoga und am Felsen sitzen und schauen… An diesem Tag war die Sommersonnenwende und abends machte ich ein Feuer und ein kleines Ritual dazu. Hatte schöne Hölzer gefunden und die verbrannte ich mit Wünschen und dazu passenden Liedern, während ich ums Feuer tanzte. Ein Abend ganz nach meinem Geschmack 😉Kaum war ich fertig damit, kam wieder ein echt heftiges Gewitter und auch die Nacht war nicht sehr friedlich. Es war ja an sich hell die ganze Nacht, jedes Mal wenn ich aus meinem Innenzelt heraus sah, war das Licht irgendwie gleich, einmal sah ich einen Fuchs vorbeischleichen, dann waren wieder ein paar schnatternde Wasservögel unterwegs.

War eher müde am nächsten Tag, der ziemlich trüb und kühl und feucht war. Packte in Ruhe nach dem Frühstück und meinem 11Uhr Kaffee zusammen, dabei bemerkte ich, dass wohl eine Maus einen Schokoriegel angeknabbert haben musste. Also so was! Natürlich hinterließ ich die Hütte so, wie ich sie vorgefunden hatte, sauber und mit einem Stapel Holz bereit für ein Feuer. Die Strecke heute war an sich nicht weit, aber durch hohes Gras, Straße und Hügelchen war ich bald mal gut nass, gleichzeitig war es warm, so dass mir die Regenkleidung viel zu warm war. Nackte Beine waren da einfacher als die Regenhose, unter der ich nur schwitzen würde. Das letzte Stück bis zum Windschutz Sundsudden war dann mehr unter Wasser als alles andere, der ganze Bohlenweg war überschwemmt, aber es war eh schon egal, als das Wasser von oben in meine ohnehin nassen Bergschuhe kam, da die Sohle ja auch halb unten war. Oh Mann.

Es war noch sehr früh, als ich ankam, ein paar Jungs brachen gerade von dort auf, ich baute mein Zelt neben den Windschutz, da ich mich gleich umziehen wollte und der Wind ordentlich ging. Der Platz ist richtig exponiert, aber mein Zelt durch die kleine Hütte nun windgeschützt. Erst mal ein Nickerchen machen würde ich sagen!

Den ziemlich frischen Nachmittag verbrachte ich mit ein wenig spazieren gehen, mir schöne Wurzeln am Strand anschauen, mich darunter setzen, Bäume umarmen und was Wildfrauen halt so machen. Vor lauter kalt kochte ich mir einen Fichtennadeltee, das wärmte schön von innen. Immerhin hatte es aufgehört zu regnen und der kühle Wind trocknete alles ein wenig. Später kam ein schwedisches Pärchen, das im Windschutz übernachteten und dazu ein riesiges Moskitonetz davor spannten, sehr schlau!

Abends war es immerhin so weit trocken, dass ich ein wenig Holz zusammen bekam, Birkenrinde habe ich ja sowieso dabei. An der Hütte selbst war zwar Holz, aber kein Beil und nur eine kaputte Säge vorhanden. Voller Dankbarkeit saß ich am wärmenden Feuer und merkte, wie mein Herz immer weiter aufging. Es war mir, als würde das Feuer mein Herz öffnen und ich war sehr berührt davon! Wie so oft hatte ich vor Schweden das Gefühl, von dem ganzen Stress und Gedöns total verschlossen zu sein und es dauerte ein paar Tage und viele Schichten in mir, um das zu ändern. Und das war so schön!

Die Nacht war ruhig gewesen und ich fühlte mich ausgeschlafen, genoss meinen Morgenkaffee bei bester Aussicht auf den wunderbaren See und am Weg zurück zum Camp fand ich jede Menge Walderdbeeren! Wunderbar! Eigentlich hatte ich dem Silverleden folgen wollen über Stock und Stein und kleinere Pfade, aber nun löste sich bei einem Wanderschuh das Tape und beim anderen die Sohle, also blieb ich auf der Straße und redete den Schuhen gut zu, dass sie doch bitte die 3km noch durchhalten mögen! Das taten die Guten zum Glück auch und ich bedankte mich bei ihnen am Camp, bevor ich sie in die Mülltonnen dort entließ. Fürs Kanu würden eh die Crocs reichen bzw. ohne Rucksack gehe ich auch gerne barfuß.

War auch wieder schön am Camp, herrlich ruhig einfach und fühle mich wohl da, richtete es mir fein ein unter so einem kleinen Baldachin, ging baden, saß am See und schaute (was sonst…), spazierte ein wenig, kochte und abends gab es wieder ein feines Feuer.

Erkenntnisse von meiner Wanderung:

Herausfinden, was ich möchte
mir die Rosinen des Weges herauspicken dürfen
auf Wildfrauenpfaden wandeln
in den Duft des Landes eintauchen
Sonnwendritual
danken und wünschen
ein Schutzkreis im Gewitter
beim Platz bedanken
magische Stimmung im Wildfrauenwald
auf mein Gefühl hören
ich nehme wahr, was gerade in mir ist
Schicht für Schicht öffne ich mein Herz
und schmelze hinein ins Hier und Jetzt
Feuer öffne mein Herz
Frieden finden in den einfachen Dingen
essen, Feuerholz finden, Tee trinken, Feuer machen
Träume und Selbstgespräche
anerkennen was ist
den Urlaub feiern
Stille am See genießen
alle aufgestauten Gefühle in den Fluss bringen

So saß ich nun am See und ließ die Gedanken fliegen wie die Wolken am Himmel, freute mich auf die bevorstehende Kanutour und war sehr gespannt darauf (aber das ist eine andere Geschichte)! Neben Tagebuch schreiben hatte ich auch fast jeden Tag ein Mandala gezeichnet, das machte mir echt Spaß! Zu Hause zeichnete ich sie dann auf größeres Papier und scannte sie ein, hier könnt ihr sie downloaden, ausdrucken und ausmalen, wenn ihr Lust drauf habt:

Natürlich kamen mir auch schon Idee für passende FilzGöttinnen: die tanzende Wildfrau, die Feuertänzerin und die Hüterin des inneren Feuers. Mir tut tanzen irrsinnig gut, am liebsten draußen, am Feuer, im Wald, unter den Sternen… sehr befreiend.

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