Schweden 2025 – mal wieder auf der einsamen Insel

Die letzten Jahre hatte ich um diese Zeit Anfang Juni nicht mehr lange, bis es endlich wieder nach Schweden ging. Heuer muss ich noch etwas warten, nachdem ich den Nachtzug erst für den 30. August gebucht habe. Gerade sitze ich auf der Terrasse, es ist eine laue Sommernacht Ende Mai und der Holler blüht.

Jedenfalls so ziemlich das Gegenteil, von dem, was mich vor etwas mehr als einem Jahr erwartete…

Schweden empfängt mich mit dreizehn Grad und Regen, während es in Bayern um die 35 bis 38 Grad waren. Ein ziemlicher Temperaturschock. Auf der Zugreise gab es in Berlin so einen Sturm, dass Bäume auf die Gleise fielen und wir nicht vorankamen. Trotz allem schaffte ich es, mit nur zwei Stunden Verspätung ans Ziel zu kommen.

Die Reise beginnt jetzt
die Reise zurück
zu mir selbst
zu der Frau,
die ich wirklich bin
wenn ich alle Rollen
abgelegt habe
und all die Schichten
sich häuten dürfen
dort darunter wartet sie
nur darauf
wieder entdeckt zu werden
die wilde, freie Frau
sie ist im Walderdbeerenduft
und im sommerwarmen Fluss
in der Strömung
die dich mal sanft, mal stark
umfließt
sie fliegt mit den Glühwürmchen
in der Mittsommerdämmerung
leuchtet im Sommerdreieck
vom Himmel direkt in dein Herz
sie ist die Süße der reifen Kirschen
auf deiner Zunge
und sie ist im Tanz mit dem Feuer
deinem Lebensfeuer
spüre deine Kraft und Stärke
sie ist immer da
du bist frei
FREI

singe mich an die Orte meines Herzens
lasse allen unnötigen Ballast für die Reise
den Fluss hinabfließen
sehe ein letztes Mal den Sternen
beim Erwachen zu


muss nichts mehr tun
kann alles hinter mir lassen
nur im Sein
zu meiner Essenz zurückkehren
unwirklich
möchte mich nicht von äußeren Einflüssen
ablenken lassen
ich fahre wirklich nach Schweden?!
ja, es geht nach Norden
noch donaugeküsst
langsamer werden dürfen
die Landschaft sich verändern sehen
weite Kiefernwälder, Städte, Autobahnen
leer werden dürfen

~

standhalten inmitten des Sturms
ausharren im Ungewissen des Lebens
alles steht still
nicht wissen, ob und wann
man weiterkommt
Atmen ins Jetzt
den Schutzmantel anlegen
mich einhüllen
in meine eigene Kraft und Sicherheit
mich innerlich liebevoll umarmen
in die Stille des Vertrauens gehen

~

unter all den Schichten der Angst
ist das Vertrauen immer da
den Zug einrollen sehen
schwedisch reden können
ein Abteil für mich allein bis Hamburg
den Sonnenuntergang bewundern
Yoga auf den Sitzen
schöne sanfte Abendstimmung
senkt sich aufs weite Land
während wir nach Norden fahren

~

Kolkrabenrufe
Naturstille
kann tun und lassen
wonach mir ist
so kauzig sein wie ich mag
erstaunlich, was Regen und Kälte
für eine Auswirkung auf die Motivation haben…

~

ich bin auf dem Weg nach Hause
nach Hause zu mir selbst

~

Gedanken zulassen
ist es das Land oder ist es das
was es mir ermöglicht
und mit mir macht?
Stille, Einsamkeit und Verbundenheit
kann überall auf der Welt möglich sein
geht es darum, an einem Ort zuhause zu sein
oder darum, mich in mir
daheim zu fühlen?

~

Ein Glück, dass die Sauna am See beim Camp von Outdoor Schweden schon eingeheizt auf mich wartete! Wie wunderbar zum Ankommen bei der Kälte. In den See sprang ich danach natürlich trotzdem noch, bevor ich mich in den Schlafsack kuschelte und dem Regen lauschte. Am nächsten Morgen wurde ich wieder an den schönen See gebracht, wo ich los paddelte und mir wieder eine kleine, feine Insel suchte.


Hörst du den Ruf?
den Ruf der Zauberfrau?
Wildes, weites Land
mit fliegenden Wolken
und schweren Regentropfen
Sonne erst auf der kleinen Insel
würziger Duft
Schattenspiele
sich im Wind wiegende Birken
Prachttaucherrufe am See
Wellenklang
ganz eintauchen in mich
Neumondstille

~

Wind und Wolkenzauber
Regenbogen über dem grünen Wald
an Land gehen
durch magischen Kiefernwald
Sumpfporst am Rand des Moors
mich bemalen zum Neumondschritt
ziellos wandere ich über Felsen,
Moos und Flechten
blühende Preiselbeeren
folge kleinen Rehpfaden
Sonnenstrahlen im Dickicht
trete hinter einen Baum
und schaue wieder hervor
sehe noch mehr das Land
die Regentropfen am See
die Hummel zwischen Blüten
eine Birke neben einer alten Kiefer
das Boot, das mich auf meine Insel zurückbringt
nackt schwimmen im See
das kalte Wasser spüren auf der Haut
die Wärme in mir, als ich wieder
emporsteige aus den Wellen


Abendessen
Sonnenwärme im Gesicht
beim Schnitzen am See
Glitzerwellen schauen
in der Hängematte
vorbeiziehende Regenwolken
das Spiel des Lichts auf Felsen und Wald
sehe den Regen näher kommen
und verstecke mich im Zelt

Abendkanutour
auf spiegelglattem See
umrunde Inseln
erkenne Plätze
Libellen und Wasserläufer
Wolkenspiele und goldenes Licht
die Kiefern leuchten rotgolden
mein Zelt so klein in der Weite
Schönheit umgibt mich
Rückkehr in Stille
die Angel auswerfen zwischen Teichrosen
der Versuch eines Feuers
zu wenig Birkenrinde
und nur nasses Holz
die Sonne geht unter
verschmilzt in goldenen Spuren
mit dem See
flausche mich ein mit Wärmflasche
und einem guten Buch
einschlafen zum Gesang
der Prachttaucher

~

Goldene Morgensonne im Zelt
der See ruft mich zum Schwimmen
ans andere Ufer paddeln
schönster Wildfrauenwald
voll Heidelbeeren und licht stehender Kiefern
ein kleiner Pfad windet sich
durch flechtenüberzogene Felsen
und Moospolster
aus der Erinnerung den Weg gehen
durch dichten Wald spazieren
noch nass vom Regen
Wellen am großen See
fühlen sich an wie das Meer
nackt steige ich in die Fluten
lasse mich vom kühlen Nass umfließen
lasse Wellen über mich rollen
lachen
die Sonne wärmt mich wieder auf
zurückwandern durch duftenden Wald
der Wind so stark
bringt mich schnell ab vom Kurs
doch ich schaffe es zur Heimatinsel
ruhelose Gedanken
merkwürdige Stimmung in mir
dasitzen und schauen
und nicht wissen,
was ich mit mir anfangen soll
einen Lebensbaum vor mir finden
eines uralten Heidekrautes
während im gleichen Moment
ein großer Vogel am Himmel kreist
der Moment, der etwas in mir auslöst
mich aus der Erstarrung befreit
und mich erkennen lässt
in welchem Paradies ich hier bin

~

komme in einen schönen Wildfrauenflow mit mir
Yoga in der Mitte der Insel
schaue zu wunderschönen Kiefern auf
Sonne und Wind um mich
bewege und dehne, strecke mich
komme wieder bei mir an
bemale mich mit meinen Zauberzeichen
stelle den Nordstern auf
gürte mich mit meinem Lendenschurz
aus unzähligen Wollfäden für jedes Jahreskreisfest
stelle mich auf den Felsen
und fühle mich stark
wild und frei
Wind und Sonne auf nackter Haut
mein inneres Feuer wärmt mich
schwimmen in sanften Wellen
trocknen am Felsen
sitzen und schauen
ein Feuer machen im goldenen Abendlicht
Rauch vertreibt die Knots
sitzen und in die Flammen schauen
pastellne Wolkenbänder am Himmel
Farbenspiel und knisternde Flammen
verabschiede mich in die Nacht

~

Wolkenverhangener See
Prachttaucherfamilie
die Farben von gestern verblasst
Regentropfen an Kiefernnadeln
beginnende Mondzeit
lädt zum Dösen ein
träumen im Zelt
zum Gesang der Vögel und des Regens
zieht ich in mein Innerstes zurück

~

Mondzeit Medicine Walk
paddle ans nahe Ufer
übertrete die Schwelle
ins Heidelbeerreich
die alte Kiefer umarmend
ihre Stimme raunt:
„du bist verbunden mit allem“
und die Orchideen am Ufer
duften nach Vanille
Moosglöckchen leuchten aus dem Grün
ich singe, pfeife und töne
im dichten Wald
durch sich wiegendes Grasa
streife ich nach oben
Weitblick am Hügel
nur Wälder und Seen
soweit das Auge reicht
erklimme den Gipfel
des kleinen Berges
alte Kiefern und Birken
noch mehr Seen und Wälder
lasse die Gedanken fliegen
„ich bin genug“ rufe ich in den Wind
ehe ich wieder nach unten sause
unruhiger werdend
der Himmel im Norden so dunkel
kurz vor dem Hereinbrechen des Gewitters
bin ich im Zelt
alles verstaut und vertäut
es donnert und blitzt
es stürmt, dass sich das Zelt so biegt
visualisiere den Schutzkreis
um mich und die Insel
hocke da, bete und harre aus
es rauscht der prasselnde Regen
Wellen schlagen ans Ufer
das Zelt flattert und weht
ich habe Angst
bleibe in meiner Lichtkugel
und warte, bis es vorbei ist
der Sturm abebbt und der Regen bleibt
der Donner verhallt
ich schlafe ein
und erwache im Sonnenschein
mit kalter Luft und Wind und Wellen
ich bleibe wohl auf meiner Insel
Mondzeitgefühl
mit leichten Krämpfen
in die ich hineinatmen kann

~

ich bin genug
ich muss nichts tun
nichts leisten hier
muss keine tollen Erkenntnisse haben
oder sonst was für Abenteuer bestehen
einfach sein ist völlig genug
in mir so starke Sätze und Glauben
dass ich doch auch hier
etwas leisten muss
mehr paddeln sollte, angeln sollte
mich mit meinen Themen beschäftigen sollte
sollte, sollte, sollte
ich bin genug, so wie ich bin

~

Ist mir diese wunderschöne Insel hier
etwa nicht genug?
Diese wunderschönen Kiefern, der Felsen dort?
Die Lage? Muss es die andere sein?
Mit dem scheinbar perfekten Ausblick
auf den Sonnenuntergang
und der Mondinsel wo ich wieder tanzen möchte?
Sie ist so nah, fast in Sichtweise
doch durch den Wind
so unerreichbar weit weg

~

Irgendwie wollte noch kein so richtiges Schwedenglück aufkommen auf meiner einsamen Insel. Das Wetter war nicht gerade einfach, warm, kalt, Gewitter, Sturm, hohe Wellen am See… Es waren auch recht viele andere Kanuten am See unterwegs. Abends suchten mich die fiesen Kriebelmücken heim und ich versuchte vergeblich, ein Feuer zu machen, um sie mit dem Rauch zu vertreiben. Es war einfach kein trockenes Holz da und Birkenrinde hatte ich auch keine mehr. Ich fluchte vor mich hin und floh mit dem Kanu auf den See in der Hoffnung, dass dort weniger Insekten mich auffressen wollten. Mitten auf dem See war es auch besser und ich schaffte es bis zu meiner schönen Mondinsel. Als die Sonne untergegangen war, paddelte ich langsam zurück und flauschte mich ein, denn es wurde ziemlich kühl, Nebelschwaden hingen über dem Wasser…

~

Das Wetter und die Mondzeit laden ein
nach innen zu reisen
draußen fegt der Wind ums Zelt
prasseln Tropfen und Nadeln
von den rauschenden Bäumen
und nieselt sanft der Neben
die Inseln verschwimmen in der grauen Ferne
besuche meinen inneren Garten der Liebe
hege und pflege ihn
sehe all die Liebe, die in mir und um mich ist
pflanze innen Bäume, Sträucher, Kräuter und bunte Blumen

~

langsam lichtet sich der Nebel
die Wolken kommen ins Fliegen
und meine Müdigkeit schwebt davon
Prachttaucher umrunden die Insel
Bachstelzen wippen und Schwarzspechtrufe
Erlengrüße
Mondzeitträumerin
in der Hängematte sein
die sanften Wellen des Sees
der Wind, der die Kiefern wiegt
der Gesang der Vögel im Wald
die Sonne, die mich mehr und mehr wärmt
je weiter der Abend ins Land zieht
einfach da sein und schauen
mich vom Leben und der Liebe gewiegt fühlen

~

mich frei lassen
die Haare öffnen
und fliegen lassen
ihren Rauchduft wahrnehmen
die Musik in meinen Ohren
der Wind auf der Haut
meine Arme wild tanzend
und wiegend und sich weit öffnend
der Schönheit, dem Land, der wilden Natur
spüren, tanzen, sein
die Wolken golden
Sonnenstrahlen hinter Wolken
die junge Mondsichel im sanften Abendlicht
vor mir mein Nordstern
richte mich nach ihm aus
und bin frei
spüre mein Feuer, meine Kraft, meine Leidenschaft
und Lust am Leben
meine Verbundenheit mit dem Hier
meine Liebe zu dir
immer wieder der Wind auf der Haut
mit dem ich in Wellen tanze
durch ihn gleite mit Schwingen aus Licht
wild und frei
alles aus mir fließen lassen

~

Ein weiterer spannender Tag am See war das. Wurde ziemlich früh wach und als ich sah, dass der See ruhig da lag, zögerte ich nicht lang und packte zusammen, paddelte über den See auf meine Lieblingsinsel. Kaum war ich angekommen und hatte das Zelt aufgebaut, fing es mal wieder zu regnen an, aber nun war ich hier und machte einfach Mondzeitschläfchen im Zelt. Abends wurde es wunderschön und ich bekam ein wunderbares Feuer hin und tanzte mich ins Schwedenglück.

~

Halte den Sturm nicht aus
möchte von der Insel fliehen
und traue mich nicht
warte auf Nachricht
ob ich auch woanders geholt werden kann
ungeduldig, ängstlich
fühle mich schwach, ohnmächtig, hilflos und allein
welch ein Kontrast zu gestern Abend!

~

Den See bitten
mich gut ans andere Ufer zu bringen
durch Wellen und Wind paddle ich
und bin froh, als ich Land betrete
mich wieder sicherer fühlen
zurück am Camp
am See sitzen und schauen
noch ein Gewitter gut überstehen
wärmende Sonnenstrahlen
eine Prachttaucherfamilie
gesprächig sein
nach den Tagen des Nur-mit-mir-Seins
ungewohnte Nähe anderer Menschen

~

Moorzauber
Zwergbirkengrüße
blühender Sumpfporstduft
Sonnentau und Wollgras
und Moosbeerenblüten
fliegende Wolken im Abendlicht
sitze am See und schaue
letzte Sonnenstrahlen durch die Bäume
tanze im Wind
die Wunder des Lebens
Yoga zum Sonnenuntergang auf der Wiese

~

Das war also meine Insel-Zeit gewesen… etwas anders diesmal, da macht das Wetter schon einiges aus… Oft war ich unruhig gewesen, und manchmal war die Unruhe auch gut, da sie mich meist vor Gewittern gewarnt hatte. So war ich noch immer rechtzeitig im Zelt oder wieder im Camp angekommen, ehe es los ging. Der Abend am Camp war noch schön, zeigte auch ein paar Leuten noch Moorpflanzen und am nächsten Tag klappte auch alles ganz wunderbar bis nach Stockholm. Von dort würde es wie meistens noch weiter gen Norden gehen, doch das ist eine andere Geschichte…

~

den Moment genießen
einfach sein, spüren
nichts ist wichtig
nur die Sonne im Gesicht
die Wellen des Mälaren
der Wind auf nackten Armen

~

Glück und Liebe
durchströmen mich
im Abendwind
bei Sonnenschein
frohen Mutes
spreche ich mit Menschen auf schwedisch
Begegnungen am Wegesrand
bin aufgeladen von Naturkraft

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