Auf den Spuren der Wildfrau

Einfach die Sachen zusammenpacken und losziehen – was für ein Traum. Alles aufs Fahrrad und los geht’s.

Freitag früh ist auf dem Drauradweg noch nicht so viel los, in Ruhe kann ich mir eine Bank für meinen 11Uhr-Kaffee auswählen, ihn zusammen mit einem süßen Snack genießen, während die Schwäne am Stausee vor sich hindümpeln und Frieden ausstrahlen, den ich (und sicher viele andere auch…) schon länger nicht mehr gespürt haben in all dem Wahnsinn da draußen. Durch eine hohe Wolkenschicht bekommt das Sonnenlicht einen diesigen Filter, es wird recht warm und ich radle an etlichen Fischern vorbei. Kurz vor Völkermarkt geht es steil bergauf, dann durch das Städtchen und ich mache mich auf die Suche nach einem Restaurant (die Testerei soll sich ja schließlich gelohnt haben…). Sich einfach bestellen, worauf man Lust hat, einfach die Beine unter den Tisch stellen und was zu essen hingestellt bekommen, ist schon was Feines, das letzte Mal im Oktober ist ja nun wirklich lange her…

Gut genährt radelte ich dann weiter, wählte eine etwas ruhigere Nebenstrecke, in Griffen kaufte ich in einem Supermarkt noch etwas Proviant für die nächsten Tage ein, ehe es an den Aufstieg ging nach Pustritz. In der Karte sah das nach Straße aus, letztlich war es ein Schotterweg, der in einem abgelegenen Tal ohne Handyempfang stetig bergauf führte. Nur der Wald, steile Hänge, ein rauschender Bach und ich. Fast schon unheimlich, auf jeden Fall sehr abenteuerlich (hatte ich mir ja schließlich auch gewünscht…). Irgendwo stand auch ein zerfallenes Häuschen herum. Als ich echt schon dachte, ob ich hier je wieder rauskomme, gab es eine Abzweigung mit Straßennamen (nein, keine Angabe, wo der Weg hinführt… also die Beschilderung ist manchmal schon echt bescheiden… was nutzt mir z.B. eine Radwegnummer, aber keinerlei Angabe, wo der hinführt? Oder eine Beschilderung nur in eine Richtung, was mache ich, wenn ich aus der anderen komme und die nicht sehen kann?). Jedenfalls war es sehr steil, ich musste schieben und schwitzte den Berg hinauf. Irgendwann sah man auch auf die umliegenden Hügel, echt schön hier, es ging an sehr abgelegenen und zum Teil verlassenen Bauernhöfen vorbei, bunt blühenden Wiesen und Kuhweiden.

Nach insgesamt 500 Höhenmetern war ich da – in Pustritz und froh, endlich oben und an meiner Unterkunft zu sein, auch wenn es mir Spaß macht, unterwegs zu sein, mich zu spüren, meine Kraft und auch der Stolz, es ohne Auto bis hierher geschafft zu haben! Die Unterkunft war so nett, gemütlich und mit wunderbarer Aussicht auf die darunterliegenden Hügel. Eine erfrischende Dusche später, gab mir die wunderbare Gastgeberin noch Tipps, wo ich die beste Aussicht haben würde, und so erklomm ich noch einige Höhenmeter mehr – was sich wahrlich lohnte! Wie gut tut es ab und an, mal in die Weite blicken zu können, die scheinbare Enge des Alltags hinter sich zu lassen und sich vom Wind durchpusten zu lassen, der alle unguten und unkonstruktiven Gedanken davonweht und Platz für neue macht!

Ich suchte mir einen windgeschützten Platz für ein Picknick, hatte eine leckere Jause dabei und sah mich fröhlich dabei um, was für eine Wohltat! Ging noch eine feine Runde in den Abend hinein, ehe ich es mir mit einem Buch am Fenster gemütlich machte.

Am nächsten Vormittag regnete es, also ließ ich mir Zeit mit Frühstück, Tagebuch schreiben, mit der Gastgeberin plaudern und Mittagessen, ehe ich mir einen schönen Wald suchte, um darin zu verweilen. Eigentlich brauche ich ja nur ein kleines Fleckchen schöne Erde, um mich wohl zu fühlen, das kann ein kleineres Waldstück, eine Wiese, ein Teich, ein Waldrand, ein Ufer am Fluss sein. Wo es einfach nur Natur zu schauen gibt.

In diesem Falle kam die Sonne durch die Wolken, ließ das junge Buchengrün erstrahlen, ich hörte einen Buntspecht, ein Eichhörnchen kletterte auf einem nahen Baum und die Luft roch frühlingsfrisch. Spürte den Wald mit allen Sinnen, nahm wahr, war einfach nur. Dankbar für den Tanz in mir, fühlte mich endlich wieder lebendig.

Ich spürte mein Herz, mein Wildfrauenherz, sah hin, wo die Wildfrau in mir ist, wo es sie hinzieht, mich im Wald willkommen fühlen. Mich weich und sanft erleben. Entdecke spannende Wege, erweitere meine äußere und innere Landkarte mit Wegen, die mich an meine Heimat Thüringen erinnern.

Irgendwann bin ich wieder zurück, dusche, esse etwas, lese und mache abends noch eine kleine Radrunde zu blühenden Blumenwiesen. Es tut gut, unterwegs zu sein. Vorm Schlafengehen tanzte ich noch eine Runde im Zimmer, draußen regnete es.

Am nächsten Morgen machte ich mich dann eh schon wieder auf den Heimweg. Das Wetter war ja ziemlich kalt und regnerisch angesagt, aber naja, was sollte ich machen. 40km im Regen fahren, was sonst 😉

So schlimm war es zum Glück nicht – die ersten Kilometer waren im Vergleich zu Hinfahrt die reinste Erholung – vom Haus weg konnte ich mich bis Griffen rollen lassen, es ging nur bergab, echt fein. Diesmal fuhr ich zwar Bundesstraße, aber den abenteuerlichen Schotterweg wollte ich bei Regen nicht benutzen. So konnte ich mich auch immer mal wieder unterstellen, wenn ich durstig oder hungrig war in Bushäuschen am Straßenrand, allzu viel Verkehr war nicht. An einem Picknickplatz war gerade eine Regenpause, so konnte ich in Ruhe meinen 11Uhr Kaffee trinken. Ab dann wurde vor allem der Wind mehr, er kam von vorne rechts, auf dem Radweg war keiner mehr außer mir und es schüttete manchmal ordentlich. Irgendwie machte es trotzdem Spaß, unter der Regenkleidung war ich trocken, dank Gamaschen strömte der Regen auch nicht von oben in die Schuhe hinein und ich verspürte jene Art von Lebendigkeit, die unmittelbar und wild ist – ganz im Moment, mein Körper warm, von außen kaltes Nass, ich muss lachen und jauchzen, während das Fahrrad sich gegen den Wind schon schräg stellt.

Nach 2,5 Stunden bin ich daheim (juhu, keiner da = sturmfrei), erstmal ne heiße Dusche und in der Gefriertruhe ist noch etwas, das ich mir schnell warm machen kann, super! Somit war das doch ein gelungener Wildfrauen-Kurzurlaub, den ich mir da gegönnt habe.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s