Wildfrauenzeit – der fehlende Löffel

Die dunkle Zeit ist wieder mal eine ziemliche Herausforderung für mich – die Sehnsucht nach Stille und Rückschau im Innen und im Außen so ein Weihnachtstrubel. Dabei habe ich alle Geschenke schon und ziehe mich vor dem ganzen Wahnsinn so gut es geht zurück.
Die Zeitqualität ruft nach Einkehr, Abschließen von Projekten und ich fand die Idee der Sperrnächte (gelesen bei Artedea), den Raunächten vorrausgehend sehr stimmig und meine Wahrnehmung bestätigend. So langsam schließe ich nun also mit diesem Jahr ab, fertige die letzten FilzGöttinnen für heuer, schreibe an einem Jahresrückblick und bin dankbar für das, was alles war und jetzt noch ist.

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Gestern dann nahm ich mir wieder frei, einen ganzen Tag nur für mich und raus raus raus. Morgens war es dick weiß gefroren, ein paar rosa Wolken kündeten von der Sonne, die erst spät über dem Berg aufsteigt. Ich packte meine Radltaschen – in eine kam Essen, in die andere Feuerholz und machte mich auf zum Bahnhof.

 


Mit der S-Bahn ging es wieder über den Berg. Ich finde es immer wieder ganz spannend, wenn man mehrmals im Jahr den gleichen Ausflug macht und dann schaut, was sich so in der Zwischenzeit getan hat, im Land und in einem selbst, wie sich alles verändert mit den Jahreszeiten und der Wahrnehmung, was fällt diesmal auf? Was will gesehen werden?

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Die Zugfahrt ist jedesmal wieder soooo schön, ich lasse mich einfach gern durch unser wunderschönes Land schaukeln, einfach nur aus dem Fenster schauen auf die zugeschneiten Berge, die Drau, wie sich alles im Fluss spiegelt, wenn wir über die Brücke fahren…

 


Am Drauradweg entlang geht es wieder gen Osten, Kaffeepause am Teich, die Sonne genießen und dem Morgenfrost beim Dahinschmelzen beobachten. Bis zum Fluss war es nicht weit und ich packte gleich meinen Kocher aus, da ich schon Hunger auf Mittagessen hatte. Ich hatte vorgekochtes RoteLinsen-Dhal mit Kartoffeln dabei und stellte erschrocken fest, dass ich keinen Löffel mithatte! Und auch kein Messer!

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So saß ich also hungrig vor meinem Essen und fragte mich, wie ich das nun essen sollte! Ein Stein mit entsprechender Ausbuchtung war nicht zu finden, auch kein passendes Treibholz. Mit einem Messer hätte ich mir ja einen Löffel schnitzen können, aber das ging ja auch nicht! Irgendwie war es ja zum Lachen… vor Jahren war mir das schon mal passiert… weiß gar nicht mehr, was ich da gemacht hatte…

 


Immerhin konnte ich das Dhal mit Wasser noch ein wenig flüssiger machen, so konnte ich es mit dem Becher meiner Thermoskanne trinken. Nur was machte ich mit den Kartoffelstückchen? Mit den Fingern war es mir zu heiß und batzig. Mit dem Holz, das ich zum Umrühren verwendete, konnte man es auch nicht aufspießen… hmm… ich schaute mich um… da kam mir die Idee! Stäbchen, na klar!!! Wie beim Chinesen! Und dünne Holzstäbchen gab es hier mehr als genug!!! Juhu, mein Essen war gerettet 😉 achja, was für ein Spaß!! Ich lachte echt vor mich hin, als ich das so aß bzw. trank… Was es ausmacht, wenn man ein wichtiges Teil vergisst!!! In der Wildnis ist ohne Messer jedenfalls schon fahrlässig… hier ist es ja noch lustig…

 


Anschließend machte ich den Topf mit meinem Brot sauber und packte alles wieder in die Tasche. Satt war ich nun also auch ohne Löffel und Messer geworden. Ich dachte daran, dass das Erlebte meine Geschichte des Tages ist und eine witzige noch dazu. Dies ist eine Routine aus dem Naturmentoring, die ich sehr schön finde und bei Alexandra Haaji vom Spielraum Natur kennengelernt habe. Ich konnte sie ihr sogar gleich noch erzählen, da wir telefonierten. Hast du auch eine Geschichte heute?

 


In der Sonne war es nun zu Mittag recht warm, im Schatten dagegen frostig. Bei einem kleinen Spaziergang am Fluss entlang entdeckte ich dann auch jede Menge kleine Schönheiten aus Eis und Stein.

 


Momentan gefallen mir die ganzen Bilder aus Schweden und Norwegen von Instagram… Unter dem Hashtag „friluftsliv“ sieht man jede Menge Wintercamps, Eislaufen auf einsamen Seen, Nordlichter, Lagerfeuer mit leckerem Essen und Getränken (und Löffeln). Wieso können wir das bei uns nicht haben? Das frage ich mich immer wieder… tun kann man hier es schon, aber es hat immer den Hauch des Verbotenen…

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Und so packte ich dann mein Feuerholz aus und entzündete ein kleines Feuerchen am Fluss. War das herrlich!!! Warm und gemütlich, Sonne und Feuer zusammen wärmten mich wirklich ganz wunderbar! So saß ich sehr lange einfach nur davor und schaute. Die Sonne neigte sich schon tiefer, bald würde sie hinter den Bergen verschwinden. Ich ließ das Feuer herunterbrennen, löschte es sorgfältig und machte mich auf den Weg zum Zug, sah noch Schwäne auf der Drau und war sehr sehr dankbar für diesen Wildfrauentag!!!

 

3 Kommentare zu „Wildfrauenzeit – der fehlende Löffel

  1. Oh was hast Du wieder schönes erlebt … danke fürs erzählen … und ja, was so ein fehlender Löffel aus macht … aber auch die Kreativität auslöst … klasse. Dir eine wundervolle Zeit … alles Liebe.

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