WildfrauenFREIzeit auf der Alm

Einmal im Jahr rund um meinen Geburtstag gönne ich mir eine kleine Auszeit auf einer Alm am Fuße der Saualpe (danke meinen Eltern an dieser Stelle für ihr Geburtstagsgeschenk in Form von Übernachtungen!). Eine kleine Holzhütte ganz für mich allein 😉, mit Strom, fließend Wasser und voll eingerichteter Küche. Nur Holz ist zum Hacken und einheizen, will frau es warm haben und beim Duschen warmes Wasser.
Ohne Auto hochkommen ist wie immer abenteuerlich. Zuerst marschiere ich eine halbe Stunde zur nächsten Bushaltestelle, wo ein Bus in die passende Richtung fährt. Aber es geht durch meinen geliebten Zauberwald, unter Eichen entlang, durch buntes Laub raschelnd. Beim Supermarkt besorge ich Lebensmittel und im nahen Café gönne ich mir einen leckeren Kuchen. Die Wirtin erkennt mich wieder (mit dem großen Rucksack und meiner bunten Kleidung bin ich vermutlich auch sehr unauffällig), wir kommen nett ins Gespräch.

 

Bis der Bus fährt, habe ich noch Zeit und so blättere ich in ein paar Frauenmagazinen (würde ich mir an sich nicht kaufen). Überraschend finde ich einige Artikel zum Thema Nachhaltigkeit zwischen Kosmetiktipps und Designerkleidung, über Gemeinschaften, nachhaltig Reisen, Autofasten und Konsumauszeiten! Toll! Hätte ich nicht gedacht! Den Wandel hin zu einer besseren Welt kann man wohl überall sehen.

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Der Bus schaukelt mich durch unser schönes Land und in Griffen kann ich mit dem Sohn der Hüttenwirtin auf die Alm fahren, im 200 PS-BMW ist es etwas ungewohnt. Gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang bin ich oben, packe ein paar Sachen aus und besuche gleich einen meiner Lieblingsplätze, wo man gut in die Weite schauen kann, nachdem ich den Hofhund gekuschelt habe.

 


Zurück an der Hütte heißt es erst mal Holz hacken und Einheizen. Während es langsam wärmer wird, räume ich fertig ein und mache mir Essen. Draußen ist es nun am Dunkelwerden, ich lösche das elektrische Licht, es brennt nur mehr eine Kerze. Ich sitze am Fenster, schaue aufs weite Land und die Berge, im Ofen knistert das Feuer. Es ist so friedlich! Immer mehr Sterne leuchten herein, ich kann meine Lieblingssterne der Plejaden erkennen. Draußen krächzen die Raben und ich sitze hier mit den Füßen auf der warmen Heizung.

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So lange habe ich mich auf die AlmAuszeit gefreut, jetzt weiß ich erst mal nicht recht, was ich tun soll. Doch dann frage ich mich: muss ich denn etwas „tun“? Die Zeit „nutzen“? Reicht es nicht einfach nur hier zu sein?
Trete ich vor die Türe, erstrahlt der Himmel im Sternenglanz. Keine lästigen Straßenlaternen, nur das Strahlen von Perseus, Fuhrmann, dem Stier, der Schwan fliegt über die Milchstraße, die sich als schimmerndes Zauberband über den Himmel wölbt. Als mir zu kalt wird, setze ich mich in der Hütte vor die warme Ofentür und lausche dem Feuer, spüre seine Kraft. Mit Wärme und Sternentanz gehe ich früh schlafen.

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Am nächsten Morgen liegt Nebel über dem Berg, der ab und an von der Sonne durchdrungen wird, ehe die Welt wieder im Grau versinkt. Nach Kaffee und Frühstück lese ich und schaue mir inspirierende Videos an (die Internetverbindung hier oben ist erstaunlich gut). Später ziehe ich mich an und mache mich auf in den Wald, der gleich hinter der Hütte beginnt.

 

Tauche ein in die Nebel, entdecke verborgene Pfade, lausche Spechtrufen und Wasserquellen, schaue Flechten und im leichten Wind winkende Heidelbeerblätter. Finde zur sprudelnden Quelle und nehme meine Ernte entgegen – leuchtende Blätter im Nebelwald, schimmernde Farne vor dunklen Fichtenstämmen.

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Den restlichen Tag lebe ich in meinem Fluss – wenn ich hungrig bin, esse ich etwas, wenn ich raus möchte, gehe ich raus. Ist mir kalt, mache ich Feuer. Bin ich unruhig, so nehme ich es wahr. Schreibe Tagebuch. Sitze einfach nur da und schaue.

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Mache noch einen Nebelspaziergang. Entdecke so viele Schätze. Wie an einer Perlenkette aufgefädelte Tautropfen. Immer mehr und mehr offenbart sich mir, mit jedem Schritt neue Wunder, verwobene Netze, Lianen, verbundene und verschlungene Linien, eingesponnene Herbstblüten. Ich tanze in der feuchten kühlen Nebelluft.

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Ernte Kräuter, mache mir Kräuterbrote. Entfache das Feuer, lese ein Buch. Bei Sonnenuntergang lichten sich plötzlich die Nebel, der Blick wird frei auf die Berge ringsum. Die ersten Sterne erwachen wieder. Sitze am Balkon warm eingehüllt und schaue in den Himmel. So ein Glitzermeer über mir! Die Plejaden scheinen wie immer in mein Herz, ich warte so lange, bis sich Orion über dem Horizont erhebt, erst schaut es aus für mich wie ein riesiger Schmetterling, dann wie ein Rentier im Sprung. Zufrieden gehe ich schlafen.

 


Der nächste Morgen bringt wieder Nebel. Knapp über der Hütte beginnt der blaue Himmel. Ich jage nach der Sonne. Es ist wie ein Spiel. Der Nebel mir immer knapp voraus, er zieht hinauf und hinunter, verdeckt mit einem Mal die Sicht, hüllt Bäume ein, ist im nächsten Augenblick verschwunden. Ich bin genau an der Grenze und doch noch knapp im Nebel. Steige schnell höher und höher, der Nebel scheint mich zu verfolgen. Außer Atem schon erreiche ich bald einen Gipfel, die Sonne strahlt auf die Baumkronen über mir, ich laufe weiter. Irgendwann reißt es auf und ich stehe im Licht! Welche Wohltat!

 


Eine Zeit lang wandere ich mit der Sonne. Liege auf weichem Moos mit geschlossenen Augen und lasse mich von ihr wärmen, ehe sie weiterzieht und ich mit ihr. Bussarde kreisen über mir, der Nebel zieht unter mir vorüber. Goldene Lärchen leuchten im leuchten Wind.
Den Abend verbringe ich wieder mit essen, lesen und Sternen schauen. Hüte das Feuer im Ofen. Tanze vor der Hütte unter dem Band der Milchstraße. Es ist so schön, dass mir die Tränen kommen! Auch von meinem Bett aus kann ich Orion sehen, die Sterne wiegen mich sanft in den Schlaf.

 


Am Sonntag heißt es dann aufräumen, alles packen und auf Wiedersehen sagen. Diesmal möchte ich zu Fuß bis zur Bushaltestelle gehen, es sind ca. 9km bergab. Ich habe keine Eile, da nur 4 Busse an diesem Tag fahren. Nach dem Mittagessen ist die Hütte sauber, ich schultere meinen Rucksack, der ohne Essen nun eh leichter ist und mache mich bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg ins Tal. Die Aussicht ist grandios! Ich winke Schafen und Kühen, tauche in den Wald ein, an manchen Stellen ist es herrlich still! Eine Mitfahrgelegenheit lehne ich dankend ab, nach 2 Stunden bin ich unten. Hungrig wie ich nun wieder bin, esse ich etwas in einer Pizzeria und warte lesenderweise auf den Bus. Der Fahrer lässt mich zum Glück bei meiner Haltestelle hinaus, an sich wäre er durchgefahren. Nun ist es noch einmal eine halbe Stunde zu Fuß bis nach Hause. Ich komme wieder durch den Zauberwald und merke, dass ich nun um einiges ruhiger und entspannter bin. Danke für diese wundervolle WildfraueFREIzeit!

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Ein Kommentar zu „WildfrauenFREIzeit auf der Alm

  1. Oh wie wunder-wunder-schöööön … Deine Bilder, Dein Erzählen, Dein Teilen … Du bist echt eine ganz tolle Frau und ich lese so gerne bei Dir mit, liebe Elaria … ich fühle mich, als wäre ich dabei gewesen … danke ❤

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