Nachhaltigkeit: 1 Jahr ohne eigenes Auto

Wow, neulich habe ich festgestellt, dass wir nun seit über einem Jahr kein eigenes Auto mehr haben… Letztes Jahr hatte ich ja im Herbst schon mal darüber berichtet… Mittlerweile kann ich es mir gar nicht mehr vorstellen, wie es war mit eigenem Auto vor der Türe! Mehr und mehr wird mir bewusst, wie oft ich unnötig für kurze Strecken gefahren bin, wie stressig Stau und Ampeln sein können und wo ich überall zu Fuß, mit dem Rad oder mit Öffis hinkomme. (Fast) Überallhin würde ich sagen, dauert halt länger…
An sich bin ich gerne Auto gefahren, schnell und weit und manchmal auch genervt von den langsameren VerkehrsteilnehmerInnen. Wenn ich mir jetzt mal das viel kleinere Auto ausleihe von der Nachbarin, dann kommen mir 50km/h schon sehr sehr schnell vor und hinter mir reihen sich die Autos auf. Autobahn bin ich selbst nicht mehr gefahren seit über einem Jahr…

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Dafür bin ich ruhiger geworden, gelassener. Ein Jahr ohne Stau (ich radle ja einfach dran vorbei), Baustellen, übermäßig vielen roten Ampeln (auf dem Weg zur Arbeit habe ich eine Strecke gefunden mit wenig Ampeln und grüner Welle).
Letztes Jahr hätte ich es echt nervig gefunden, eine halbe Stunde auf den nächsten Zug zu warten, da fuhr ich doch lieber mit dem Auto – jetzt denke ich mir, cool, Zeit zum Himmel schauen, Tagebuch schreiben, telefonieren, meditieren… Sicher ist es Luxus, mir einen ganzen Tag Zeit zu nehmen, wenn ich z.B. einen Termin in 50km Entfernung habe, mit Zug und Fahrrad den ganzen Tag weg zu sein statt vorher mit dem Auto hin- und wieder zurück zu rasen, aber dafür habe ich Zeit mit mir, für Reflexion, das Land zu sehen, Leute zu treffen, kleine Cafes und Reformläden zu entdecken.

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Auch über den Winter war ich natürlich viel mit dem Rad unterwegs. Bei wirklich ganz schlechtem Wetter (sprich Glatteis oder gefrierender Regen) stieg ich in den Bus (was heuer vielleicht 8mal der Fall war), bei leichtem Schneefall kann es aber auch wundervoll sein – diese Stille und das herrlich weich-kalte Gefühl der schmelzenden Flocken im Gesicht…

 

An sich braucht man aber schon ganz schön viele Kleiderschichten, also ich zumindest 😉 drunter habe ich Leggings oder Strumpfhose, darüber Wollsocken und Stulpen, eine Regenhose oder wärmere Hose, gefütterte Waldviertler, bei Regen Gummistiefel. Oben ziehe ich Unterhemd, Langarmshirt, dünne Jacke und drüber Regenjacke oder Winterjacke oder Wollmantel. Nach einer Weile wird mir warm und ich ziehe die oberen Schichten aus. Bei Regen und starkem Schneefall nehme ich Wechselkleidung mit. Aja, und Stirnband, Haube und Handschuhe braucht es im Winter natürlich auch… und für meine sonst gefrierenden Oberschenkel habe ich mir selber Wollwalk-Wickelröcke genäht – meine Arbeitskolleginnen amüsieren sich immer herrlich, bis ich mich aus allem heraus- und abends wieder hineingeschält habe… und sehr dankbar bin ich für den Sattelüberzug aus Plüsch, den mir meine Schwester geschenkt hat! So manches mal muss ich frühs zwar keine Autoscheiben abkratzen, aber gefrorener Sattel ist auch kein Spaß…

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Das Highlight mit den Kindern war sicher unser Ausflug zum Weihnachtsbaum holen (ja, ok, eigentlich finde ich es auch nicht so toll, einen Baum deswegen sterben zu lassen… gibt’s jetzt nicht welche zum Ausleihen im Topf?). Sie waren schon ganz ängstlich, dass wir keinen haben sollten, also alle aufs Rad und den gefrorenen Weg entlang bis zur nächsten Verkaufsstelle – immerhin knapp 5km – es gab noch einen Kakao und Kuchen in der örtlichen Bäckerei, ehe wir den Baum auf den Anhänger banden und es wieder zurück ging.

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Abgegangen ist mir ein Auto dann, wenn ich nicht fit genug war fürs Radln oder wenn der nächste See zum Eislaufen 20km weg und das mit Kids einfach zu weit ist zum Radln bzw. die Busverbindung echt so schwierig ist, dass man entweder nach 1,5 Stunden Fahrt nach 5min gleich wieder retour muss oder 4 Stunden dort ist… Andere Orte dagegen sind wieder viel schneller mit dem Zug erreichbar als man denkt. Ins Rosental brauche ich über den Berg recht lange mit dem Radl, ich kann aber auch einfach 15 min Zug fahren, schon bin ich bequem da und hab mehr Kraft, dort zu radeln. Im Sommer ging mir das Auto ab, um zu Seen zu gelangen. Für mich alleine radle ich auch mal 20km zu einem See, mit den Kids ist es noch zu weit, da konnten wir zum Glück ab und an das Auto ausleihen!

Mich hat auch mal interessiert, was so an Kilometern zusammen gekommen ist in diesem Jahr (hab es mir immer mitgeschrieben ungefähr).

Im Zeitraum Jänner bis inkl. September 2018:
Radkilometer: ca. 2100
Zugkilometer: ca. 5500 (inkl. Schweden)
Buskilometer: ca. 600
Autokilometer: selbst gefahren: ca. 350, mitgefahren inkl. Wohnmobil: ca. 3000 (Italien, Thüringen, Slowenien, Ausflüge – das hat mich echt erschreckt, wieviel das war! Das rechnet sich echt schnell zusammen… 1000km allein mit meinen Eltern nach Thüringen oder zu viert mit einer Freundin nach Wien…)
Kosten für öffentliche Verkehrsmittel: ca. 600€ (inkl. Schweden) (find ich jetzt echt erschwinglich… es war viel Sparschiene dabei, um 9€ kommt man mit keinem Auto von Klagenfurt nach Salzburg, da kostet allein die Maut für die Tunnel 11€)
Kosten fürs Fahrrad: ca. 100€ (nicht viel würde ich sagen…)
Kosten fürs Auto hab ich jetzt nicht berechnet, da ich mit Freundinnen etwas eingetauscht habe oder mit der Familie mit bin)

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Lustig ist auch immer, wenn wir zur Entsorgung radeln so einmal im Monat mit Glas, Papier etc. und wie die Leute schauen… Kommentare wie „Naturfahrzeug“ etc. lassen mich dann noch vergnügter weitermachen!
Außerdem bekomme ich echt viel rein in den Radanhänger – für das Freudenfest im Juni sogar einen ganzen FilzGöttin-Kessel-Stand inkl. Campingtisch und das ganze wasserfest, weil es geregnet hat! Du kannst dann auch direkt vor dem Stand parken, keine lästige Parkplatzsuche oder Parkscheine…

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So viele tolle Plätze habe ich über das Jahr entdeckt, wo ich noch nie war vorher. Gibt ja echt schöne Radwege bei uns, v.a. an der Drau bin ich gerne unterwegs. Einmal war ich auch mit mehr Gepäck und über Nacht weg, mich würde ja wieder mal eine richtig lange Radltour reizen (als Jugendliche bin ich schon von Salzburg nach Wien bzw. Salzburg bis Prag geradelt und ich fand es klasse).

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Mit meiner Tochter bin ich mittlerweile auch länger unterwegs gewesen mit Öffis – einmal in Ljubljana mit dem Bus und dann bei meinen Eltern in der Nähe von Salzburg. Was mir stark auffällt, dass einem erst mal bewusst wird, wie weit es wirklich ist – und wie mies die Busverbindung von unserem Dorf in die Stadt ist. Von Stadt zu Stadt ist man schnell mit Zug und Bus, aber wehe du musst noch von der Stadt wohin… Zum Vergleich: von mir zuhause brauche ich max. 15 min mit dem Auto zum Bahnhof, mit dem Rad 35 min, mit dem Bus eine Stunde, da er mit der Kirche ums Dorf fährt… wenn ich alleine nur kurz wegfahre, nehme ich sowieso das Radl und stelle es am Bahnhof ab…

Fazit: derweil ist mir nicht mehr nach einem eigenen Auto! Auch wenn es eine Umstellung war, so habe ich es nicht bereut! Für mich war es lange Zeit absolut unvorstellbar ohne Auto zu leben, seit ich 18 bin, war immer eines da… nur kostet es viel zu viel und mittlerweile ist mir der Umweltaspekt einfach zu wichtig, so dass ich auf einiges gerne verzichte und nur das mache, wo ich zu Fuß, mit dem Rad oder mit Öffis hinkomme…

3 Kommentare zu „Nachhaltigkeit: 1 Jahr ohne eigenes Auto

  1. Dein Beitrag gefällt mir sehr! Ich selbst bin auch eine Dauerradlerin ohne Auto und wunderbar glücklich damit! Ein Problem habe ich mit dem Helm: Jedesmal wenn ich ihn getragen habe, ist meine Frisur zerstört. Alles Gute und gute Fahrt!

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  2. Cooler Beitrag! Ich hatte tatsächlich noch nie ein Auto und lebe auch ganz gut damit. Natürlich ist mit Kindern (unsere sind 5 & 4 Jahre alt) alles etwas komplizierter, aber es geht schon und neben dem ökologischen ist halt auch der finanzielle Aspekt nicht zu unterschätzen. Du hast das alles toll aufgeschlüsselt. 🙂

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  3. Danke für diesen tollen Bericht … ich finde das super. Ja, wir fahren zu viel Auto … schäm … allerdings würde ich die Arzttermine mit meiner Mutter und dem Schwiegervater ohne Auto nicht schaffen … beide nicht mehr gut zu Fuß … zur Arbeit fahre ich auch nur mit dem Rad … die Einkäufe tätige ich mit dem Auto … einmal pro Woche … aber ich werde mir da auch mehr aufschreiben … und noch mehr mit dem Rad machen … DU motivierst total. Super!!! Herzlichen Dank, dicke Umarmung, dani

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