Ein neuer Tag im Paradies

Noch einmal zog es mich an einen Platz, an dem ich schon 2017 gewesen war – das Balesudden Naturreservat in der Nähe von Örnsköldsvik an der Hoga Kusten. Wie kaum ein anderer Ort hatte dieser zu mir gesprochen, noch immer klang er in mir nach, hörte ich seinen Ruf. Die perfekte Kombination aus Meer, Wald, Bergen und einem kristallklaren, eiskalten See. Ein Blick übers Meer von runden roten Felsen, ein Platz zum Zelten und zwei einsame Strände, ein absoluter Traum!

Die wunderschönen Tage auf der einsamen Insel klangen auch noch in mir nach, als ich nach Stockholm fuhr, mich mit einer lieben Bekannten traf, die ich das letzte Mal vor vielen Jahren auf der schwedischen Göttinnenkonferenz gesehen hatte und abends im Mittsommerlicht auf den Nachtzug gen Norden wartete. Das sanfte Licht sorgte dafür, dass ich nicht sehr müde war und ständig meine Tagesrythmen schwankten, was sich gut anfühlte, nicht mehr nach dem strengen, den ich vom Alltag kannte. Fühlte mich leichter, sanfter, weicher, gelassener. Ok, das kleine, sehr teure Bier zum Abendessen in Stockholm verhalf mir sicher noch zu weiterer Gelassenheit, nachdem ich ja zu Aufregung neige, ob denn auch alles gut geht. Aber wir sind ja nicht mit der DB unterwegs und umsteigen musste ich auch nicht. Nur rechtzeitig kurz nach 4 in der Früh aufwachen, um zu meinem Paradies zu kommen.

Dem Sonnenschein im Süden war dichtem Nebel gewichen, als ich aus dem Zugfenster sah und der Bahnhof in Örnsköldsvik ziemlich verlassen aussah, als ich als eine der wenigen hier ausstieg. Bis zum ersten Bus nach Köpmanholmen dauerte es noch über zwei Stunden – zum Glück bin ich ja in Schweden, in dem es wunderbare Friluftsliv-Infrastruktur gibt – einfach vom Bahnhof eine halbe Stunde zum See gehen, wo es eine Komposttoilette, Picknickbänke und einen Windschutz gibt. Ich liebe es! Fühlte sich auch alles wieder wie nach Hause kommen an, so vertraut war es mir.

Im Nebel kostete ich das Wasser vom See, kochte mir mit meinem Kocher einen Kaffee, genoss die Stille und Einsamkeit und frühstückte, ehe ich zum Bus ging und der mich eine halbe Stunde später im Dorf herausließ, wo der Högakustenleden kreuzte, der mich nach10km zu meinem Traumplatz führen würde. Mit großem Rucksack war ich schon sehr lange nicht mehr eine so lange Strecke gelaufen und so langsam kam auch die Müdigkeit. An Sommerhäusern, badenden und lachenden Menschen vorbei wanderte ich nun die Küste entlang, langsam lichtete sich der Nebel und gab den Blick frei auf das sanfte Meer, weit entfernte Inseln und bewaldete Felsen. Auch der Aufstieg erwartete mich.

Ließ mir Zeit, und so machte ich am ersten Windschutz eine längere Pause mit Jause und einem Mittagsschläfchen, plauderte danach mit lieben Schweden und kam sehr langsam voran – insgesamt brauchte ich 6 Stunden und war ordentlich verschwitzt und fertig, als ich ankam. Meine Knie ächzten nach der steinigen Strecke mit viel bergauf-bergab und dem schweren Rucksack mit Essen für drei Tage. Dazwischen gab es noch einen wunderschönen Aussichtspunkt und es war soooo schön, wieder hier zu sein!!! Fühlte mich willkommen und wohl.

Voller Liebe
denke ich an die Menschen
die mir wichtig sind

Voller Liebe
gefüllt ist mein Herz

Voller Liebe
genährt ist meine Seele
von diesem wunderschönen Land
und der Freiheit

Von der Stille am See
dem magischen Licht
um Mitternacht

Den alten Wäldern
und uralten Felsen

Dem Lied des Windes
in den Bäumen

Liebe ist überall

Und endlich war ich am Meer und an dem wunderschönen See! Es war doch einiges los, aber es gibt immer ein freies Plätzchen. Tauchte nackt in die eiskalten Fluten des Sees, umgeben von Glitzerwellen und rauschenden Wäldern. So glücklich und stolz, es bis hierher geschafft zu haben!

Mein Zelt baute ich am gleichen Platz auf wie vor 6 Jahren, etwas versteckt im Wald, mit Blick durch die Bäume aufs Meer und den Strand. Kochte mir etwas, aß in Ruhe, sonnte mich noch in der Hängematte und ging dann bald in den Schlafsack, die kurze Nacht im Zug und die Tour hatten mich ordentlich müde gemacht – schlief tatsächlich fast 12 Stunden!

Und dann – Morgenkaffee am Strand, Frühstück am Strand, zweiter Kaffee am Strand. Nur das nötigste und wertvollste eingepackt und los gewandert zum Gipfel. So wie schon einmal barfuß – die Felsen hier sind wunderbar gletscherglatt geschliffen und von der Sonne gewärmt, so dass sie sehr angenehm zu laufen sind! Erst war strahlender Sonnenschein, bald bildete sich eine riesige Gewitterwolke, aus der es aus der Ferne donnerte. Meine Schritte wurden unwillkürlich schneller. Es war so unglaublich schön, die Felsen, die uralten Bäume, Flechten, die Aussicht aufs Meer, die Inseln und in der Ferne die Berge des Skuleskogen Nationalparks. Wieder am Gipfel zu stehen, ließ mich glücklich lachen. Aus der großen Wolke grummelte es noch immer und ich ging lieber wieder zu meinem Zelt, vor Gewittern hatte ich großen Respekt!

Wieder unten wusch ich meine verschwitzen Klamotten im See (natürlich ohne Seife, denn ich wollte da noch draus trinken). Machte alles regen- und sturmfest. Um bald festzustellen, dass sich diese Wolke einfach auflöste… Es war so wunderschönes warmes Wetter, dass ich nur mit Rock und Top durch den Wald streifte hinunter zum anderen Strand, an dem kein Mensch war! Ein paar Tagesgäste waren am anderen unterwegs und auch am Rückweg vom Gipfel kamen mir Leute entgegen, über Nacht blieben nur die wenigsten. Jedenfalls hätte ich mir nicht gedacht, dass ich jemals in Nordschweden nackt am Strand liegen würde!

Tauchte in sinnliches Sein am Strand ein – spielte mit Sand und Wellen, spürte den Wind im Haar. Urlaub ganz nach meinem Geschmack! Das Wasser der Ostsee war auf jeden Fall sehr erfrischend…

Aß eine Jause am Strand beim Zelt, döste vor mich hin, weil ich schon wieder müde war, aber wirklich schlafen konnte ich nicht – bei 22Uhr war ich so munter, dass ich beschloss, noch einmal auf den Gipfel zu steigen, wenn nicht jetzt, wann dann könnte ich schon eine Mitternachts-Bergtour machen? Die Sonne ging erst um 23 Uhr unter…

Bis auf ein einsames Segelboot war der Strand leer und auch sonst traf ich niemanden. Der See lag so ruhig und spiegelglatt da, dass ich mich noch etwas hinsetzen musste, um ihn zu bestaunen. Es berührte mich so sehr.

Abendstille am See
leuchtendes Grün
goldenes Sonnenglitzern
am Wasser
Stille auch in mir
sich sanft wiegende Gräser
Herz so weit…

Diesmal ließ ich mir Zeit, kein Gewitter in Sicht, nur das sanfte Abendlicht in rot und orange und gelb am Horizont, die Mondin leuchtete über dem Meer! Alles in goldenes Licht getaucht, bewunderte die alten Bäume, die mir so vertraut und nahe waren in der Dämmerung. Ich umarmte und fühlte sie. Am Gipfel saß ich lange einfach da und spürte und fühlte das Land, das mich gerufen hatte. In Stille und Andacht sein. Eintauchen. Dankbarkeit.

Erhabene Schönheit
des freien wilden Landes
windumspielte Klippen
über dem sanft schimmernden Meer
weit werden in mir
meine Seelen öffnet sich
Mondin über bewaldeten Inseln
uralte Bäume
wachen hier
zu Hause in mir und im Land sein

Am nächsten Morgen erwachte ich mit dem wunderbaren Gedanken „ein neuer Tag im Paradies“, denn das hier war mein persönliches Paradies. Wie konnte dieser Ort nur so wunderschön sein! Ich machte ein Spa am Meer mit baden, Sandpeeling, Haare waschen, sitzen und schauen und es mir den ganzen Tag lang gut gehen lassen! Wanderte vom einen zum anderen Strand, der Sonne hinterher, schwamm im Meer und im See, saß in der Sonne am Ufer oder lag in der Hängematte, aß meine Vorräte auf und freute mich einfach nur des Lebens! Ein Traum!!!

Noch eine Nacht und los ging es noch weiter nach Norden – diesmal schaffte ich die Strecke in drei Stunden – war eindeutig ausgeschlafener und hatte weniger Gepäck, weil ich alles aufgegessen hatte. Genoss noch einmal den Strand beim Morgenkaffee und steig bei weiterhin schönstem Wetter wieder durch wunderschönsten Wildfrauenwald über Stock und Stein hinauf und wieder hinunter, nahm den nächsten Bus nach Örnsköldsvik. Dort stapfte ich noch einmal zum See hinauf, diesmal bei warmem Sonnenschein und nahm noch ein erfrischendes Bad, bevor es in den Zug Richtung Umeå und den Bus nach Skellefteå ging. Ach, was für ein wunderbarer Urlaub!! Ich war so unendlich dankbar!!

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