Radtour für ein gutes Klima für alle!

Aus aktuellem Anlass und weil es anscheinend der Sommer der verrückten Ideen ist, bin ich vorletzte Woche vom Kanu aufs Rad umgestiegen, um Aktivistinnen der Fridays for Future Bewegung auf ihrer Radreise durch Kärnten zu unterstützen. Das Motto der von Lena Woschitz initiierten Radtour mit Einsatz für eine Umwelt- und Menschenfreundliche Mobilität war „Auf die Räder, fertig, los“, von Lienz starteten sie mit einer Demo am Sonntagvormittag, an den darauffolgenden Tagen ging es zu sechs weiteren Orten und Demos, über Spittal/Drau, Villach, Klagenfurt, St. Veit/Glan, St. Kanzian nach Wolfsberg. Von Villach bis St. Kanzian war ich mit dabei und berichte euch hier von 5 Tagen radeln während einer Hitzewelle mit immerhin 210km.

Nachdem die Kinder auf Ferienaktionen verteilt waren und einen überstandenen Nervenzusammenbruch meinerseits später (habt ihr eine Ahnung wie aufwändig es ist, ohne Auto irgendwas zu organisieren, was weiter weg ist als die nächste Stadt, wenn keine Mitfahrgelegenheit zu finden ist?), fuhr ich am Dienstag 40min mit dem bepackten Rad zum Bahnhof und mit der S-Bahn weiter nach Villach, wo ich von einer Aktivistin und lieben Freundin empfangen wurde. Sie lotse uns durch die Stadt hinaus zur Gail, wo ich mich erleichtert in die herrlich kalten Fluten stürzte.

Wir trafen hier zwei Radler, die wie sich später auf Instagram rausstellte, Iris und Jan von Cycling for Society sind, die von Berlin in die Türkei radeln wollen, um mehr Bewusstsein für Probleme wie Stigmatisierung von Menschen mit sogenannten „Gemütskrankenheiten, mental disorders“ in unserer Gesellschaft zu schaffen und sich das auch in den verschiedenen Ländern anzuschauen. Die Tage davor war Lena schon einem anderen Pärchen begegnet, das auch mit einer coolen Idee unterwegs ist: Balkan by bike, die von München ans Schwarze Meer radeln, um sich für die Wiederaufforstung der rumänischen Urwälder einzusetzen. Beide Aktionen sammeln Spenden für ihre Aktionen, also unbedingt unterstützen finde ich!

Wir waren also unterwegs, um uns einerseits die hiesigen Radwege anzusehen, in jeder Stadt eine passende Demo zu veranstalten, um mehr Platz fürs Rad zu schaffen und eine weit bessere Radinfrastruktur einzufordern. Schließlich haben wir am eigenen Leib erfahren, was es heißt, in einer heißen Stadt mit dem überbordeten Verkehr klarzukommen als Radler, in gefühlt jedes Schlagloch in Kärnten hineinzufahren und dann noch blöd angemault zu werden, weil wir kurz am Gehweg standen, um einen verlorenen Sonnenhut aufzusammeln (wäre ein Radweg da gewesen, hätten wir schließlich da drauf stehen können, aber nein, so musste ich die stinkenden Abgase des Typen einatmen, während er mir eine Standpauke hielt, danke auch dafür).

Abends war die Demo in Villach, begleitet wie die anderen Demos auch von der Polizei, da alle angemeldet waren. Wir hätten sicher mehr Teilnehmer*innen sein können, aber für mitten in den Sommerferien durchaus ok. Es war meist eine bunte Mischung aus Menschen von Fridays for Future, Scientists for Future (bei der Kärntner Regionalgruppe bin ich jamit dabei), Parents for Future, Radlobby, Attac, Critical Mass und natürlich einfach Interessierten, denen das Klima am Herzen liegt. Auf jeder Demo konnten wir auch spontan noch Leute begeistern, an denen wir vorbeikamen und die dann einfach mitradelten. Die Stimmung war meist sehr gut, von einigen Autofahrern war es schwer zu sagen, ob das Hupen nun Zustimmung oder Ablehnung ausdrücken sollte, manche winkten aber durchaus freundlich. Vor und nach der Demo gab es meist auch eine Ansprache, wofür wir das hier machen und wie es weitergeht.

In Villach konnte ich bei einer Freundin übernachten und wir hatten wunderschöne Gespräche. Da ihre Wohnung mit Dachfenstern ausgestattet war, konnte ich unter den Sternen schlafen, wie schön! Am nächsten Morgen schaute ich noch bei der Schenkbox der Verantwortung Erde vorbei, denn ich nutzte diese Reise auch, um mir verschiedene Initiativen anzuschauen, wo ich nicht mal eben so vorbeikomme. Bis Velden bekamen wir Begleitung und gleich Bescheid über diverse Bauvorhaben, wir bestimmten Pflanzen am Wegrand und halfen verirrten Deutschen bei der Radroute. Es war schon recht heiß und das (teils vegane) Eis dann richtig geil! Von Velden bis Pörtschach war dann echt mühsam, da der Radweg gefühlt alle paar Meter die sehr stark befahrene Hauptstraße quert und Zebrastreifen meist nicht vorhanden sind und selbst wenn, lassen einen die Autos nicht drüber. Wir standen also in den Abgasen und schwitzten. Fragten uns, ob die Insassen den Klimawandel überhaupt so wahrnehmen mit ihren auf Hochtouren laufenden Klimaanlagen und nicht so direkt den immer häufiger werdenden Hitzewellen ausgeliefert sind wie unsereins? Wir waren auch einstimmig der Meinung, dass jeder Beteiligte, der Radwege plant und umsetzt, vorher bei jeder Tages- und Nachtzeit sowie jeder Jahreszeit mal selbst mit dem Rad unterwegs gewesen sein sollte. Jedenfalls war ich einfach nur froh, als endlich der nächste freie Seezugang (ein eigenes Thema für sich…) in Sicht kam und ich mich komplett, wie ich war hineinwarf und auch kein Handtuch verwendete. Danach war immerhin der Fahrtwind kühlend! An der Uni Klagenfurt aßen wir etwas (wir waren ordentlich ausgehungert…), ich besuchte kurz den Bücherschrank und den Unigarten, ehe ich mich an die Sattnitz erneut ins kühle Wasser gleiten ließ, diesmal kramte ich auch meinen Bikini heraus. War ich froh, dass es bei uns so viele Gewässer gibt, stellt euch vor, das ganze wäre in fluss- und seenlosen Gegenden… Dann würde ich vermutlich nicht mitradeln oder Leute mit Gartenschlauch anbetteln.

Die Demo in Klagenfurt war jedenfalls zu Beginn sehr spannend, da wir 20min vor Demobeginn uns zu zweit 30 Polizisten gegenübersahen, die sich dann auf die Kreuzungen verteilen würden. Um 5 vor 6 kam immerhin eine dritte Person, mit der wir dann offiziell als Versammlung gelten. Zum Glück kamen dann aber doch noch mehr und wir gabelten unterwegs auch noch welche auf. Wir fuhren jedenfalls gut behütet in die Stadt hinein, einmal um den Ring und endeten am Lendhafen. Finde das schon echt gut, wie die Polizei das regelt und koordiniert, sie waren in ausnahmslos jeder Stadt sehr freundlich, manche kannten uns ja schon 😉 Nach gut 60km war ich an diesem Tag sehr froh, daheim zu sein!

Mir wurde auch bewusst, dass ich diese Radtour ja auch nutzte, um meine Lebensreise weiter zu radeln, da mir noch (neben der Reise von Thüringen nach Salzburg) auch in Kärnten Teilstücke fehlten, etwa von Villach nach Klagenfurt, das Geburtshaus bei Maria Saal und besondere Gegenden, mit denen ich schöne Erinnerungen verbinde.

Ab nun hatte ich einen Anhänger dabei, den ich für die Raddemo mitnahm nach St. Kanzian, ehrlich gesagt war der sehr nervig – auf Asphalt echt ok und praktisch, aber bergauf und besonders auf Schotterstraßen mit Schlaglöchern der Alptraum, ich hatte noch tagelang Tinnitus vom Geratter! Immerhin waren wir nun ein nicht zu übersehender Haufen auf diversen Straßen mit diversen Anhängern, Fahnen und Besen. An sich war die Strecke heute nicht so weit (insgesamt kam ich auf 45km), aber es war heiß, sehr heiß. Den ersten Wasserstopp legte ich schon nach 5km ein, haute mich wieder mit allem in den Fluss, in der Glan kühlten wir zumindest die Füße, ehe es über das Zollfeld ging, definitiv nicht zu empfehlen in der Mittagshitze, es sei denn du stehst auf Schlaglöcher, knallende Sonne und keinerlei Schatten in Sicht. Richtung Glandorf kamen dann LKWs, jede Menge Staub und sogar auf geteerten Straßen so tiefe Furchen, dass wir nur langsam vorankamen und in St. Veit erschöpft den Brunnen in Beschlag nahmen. Und was essen natürlich. Zum Glück gabs vegetarischen Burger…

Die Demo hier war auch wieder klein, aber fein, wir fielen auf jeden Fall auf und am Hauptplatz bekamen die Reden viel Aufmerksamkeit. Nun noch 12km Richtung Glanegg zu unserem Übernachtungsplatz radeln. Immerhin wurde es kühler und der Radweg im Schatten, das letzte Stück aber auch wieder mit sehr vielen Schlaglöchern und nach der letzten Steigung war ich einfach nur froh, dass unsere wundervollen Gastgeber eine Gartendusche hatten, ehe sie uns mit Tomatensalat aus eigenem Anbau und selbstgebackenem Brot verwöhnten. Unsere Zelte durften wir auf dem Stellplatz von „Schau aufs Land“ aufstellen, auch eine tolle Initiative! Da die Perseiden Hauptnacht war, baute ich nur das Innenzelt auf, um meine Ruhe vor Gelsen und Schnecken zu haben. Immerhin sah ich zwei Sternschnuppen, ehe ich sehr bald einschlief. An sich mag ich es ja, einfach nur zu radeln und sonst nix tun zu müssen, den Gedanken nachzuhängen, mal ein wenig zu plaudern und den Körper zu spüren und sich nebenbei noch für eine gute Sache einzusetzen.

Geweckt zu werden mit der Aussicht auf Kaffee ist definitiv genial. Es war noch herrlich kühl, als wir im Garten frühstückten und schauten, dass wir so bald wie möglich aufbrachen. Über Zweikirchen und Karnburg war es anstrengend, auf und ab. Wir entschieden deswegen, lieber mehr Kilometer durch die Ebene weiterzuradeln als kürzer aber dafür mit Bergen dazwischen. Nein danke. In Klagenfurt legten wir eine fast einstündige Pressepause ein, für den ORF haben wir auf jeden Fall Zeit, immerhin erschien ein Artikel! Danach brauchte ich erstmal meinen zweiten Koffeinschub, ein Apfelkuchen dazu war auch ein hoher Genuss, den Antrieb daraus brauchte ich auch, da es nun über den Bahnbegleitweg ging nach Grafenstein, das meiste in sengender Mittagssonne, immerhin mit Baden in der Gurk. Als wir an der Drau waren, wussten wir, dass uns das schlimmste noch bevorstand – bergauf nach St. Kanzian! Uff. Und hinter einem die LKWs, Wohnmobile und Autos. Fuhren noch weiter zum Klopeiner See zum wohlverdienten Mittagessen. Kippte aber erstmal einen halben Liter Apfelschorle auf Ex für den gröbsten Durst, auch wenn wir unterwegs schon sehr viel Wasser verbraucht hatten, Richtwert so 0,5-1 Liter auf 10 Kilometer bei dieser Hitze…

Bis zur Demo gingen wir noch baden und ruhten uns aus, auch weil wir wussten, dass wir noch zweimal über den Berg drüber müssen. Erst wieder zum Treffpunkt mit der Radlobby Jauntal und bei der Demo fuhren wir auch wieder rauf. Puh. Aber unsere Stimmung war definitiv am höchsten, denn es tauchten mehr und mehr Radler auf! Geil!!! Hier war das Verhältnis Demonstrierende/Polizisten am besten, auf ca. 50 Radler kam ein Polizist. Die Autofahrer und Fußgeher hier waren auch weitaus entspannter, da die meisten wohl Urlauber waren. Es wurde jedenfalls viel gewunken, gejubelt und geklingelt, als wir den See zur Hälfte umrundeten bis zum Endpunkt der Demo. Ein paar fuhren zurück nach St. Kanzian, wir und weitere nach Eberndorf.

Es war sehr angenehm, einfach hinterherfahren zu dürfen, statt selbst navigieren zu müssen, der Tag hatte es in sich gehabt, wir waren auch weit über 50km wieder bei der Hitze unterwegs gewesen. Immerhin hielt die Sonnencreme, da bin ich sehr dankbar, ich bekomme ja doch sehr schnell Sonnenbrand. Einen weiteren Hof den ich mir unbedingt anschauen wollte, war Hart 7 bei Eberndorf. Die wundervolle Abendstimmung senkte sich langsam aufs Land, als wir ankamen, nach einer herrlichen Dusche bauten wir die Zelte auf, während die Ziegen gemolken wurden. Die urigen Zimmer werden auch bei EcoBnB vermietet. Wir waren so müde, dass wir unsere Reste vorm Zelt aßen und um 9 einschliefen…

Am nächsten Tag würde Lena noch weiterradeln nach Wolfsberg, aber ich radelte die knapp 30km nach Hause zur zurückgekehrten Familie. Ohne Anhänger kam mir das wie Urlaub vor. Jedenfalls finde ich solche Aktionen immer unterstützenswert, deswegen mache ich mit, soweit es mir möglich ist. Ich bewundere den Mut dieser jungen Menschen, solche Aktionen ins Leben zu rufen und finde es auch so wichtig in dieser Zeit, etwas zu unternehmen, aufmerksam zu machen und Lösungen anzubieten, sei es eine verbesserte Radinfrastruktur (ein paar Schilder wären auch hilfreich…), sehr viel bessere Öffis (wie gesagt, das kostet mich manchmal den letzten Nerv… z.B. brauchst du mit dem Auto von uns nach Kötschach-Mauthen zum Feriencamp 1,5 Stunden, mit Öffis 3,5, alleine vom Ikea, wo wir den Sohn nur mehr abholen mussten auf der Rückfahrt, brauchst du mit dem Auto vielleicht 10min, mit dem Bus eine Stunde, da du in die Stadt fahren musst und dann komplett wieder raus, also mich wundert das auch nicht, dass da keiner mitfährt… wir tun es uns halt an, aber manchmal fragen wir uns schon… aber das ist eine andere Geschichte…).

Nichtsdestotrotz war es eine unvergessliche Woche, wir hatten viel Spaß, spannen die irrsinnigsten Ideen, seid also gespannt 😉 Zu Hause war erstmal Erholung angesagt, bis die Inspiration kam für diesen Beitrag und auch eine passende Filzgöttin – ich denke, dass es auch eine Herzöffnung der Menschen braucht, um sich für ein gutes Klima einzusetzen, das bezieht sich nicht nur auf die Mobilität, sondern auch wie wir miteinander umgehen und mit der Natur an sich! Von dem her – Herzen statt Klima erwärmen!

2 Kommentare zu „Radtour für ein gutes Klima für alle!

  1. Ach was für eine wundervolle Aktion/Reise … Du bist einfach soooo genial aktiv. Ich bewundere dein Tun. Und so schön wieder geschrieben … als wäre ich mit dabei gewesen … danke. Dir eine wundervolle Zeit und alles Liebe ❤ … und die Filzgöttin ist wieder ganz bezaubernd ❤ … meine erfreuen mich jeden Tag ❤ Danke … Herzensdank ❤

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