Die Schamanin vom See

Neulich beim Durchstöbern meiner Fotos und Geschichten kam mir die folgende unter, die ich nun gerne mit euch teilen möchte. Es kam mir auch eine passende FilzGöttin in den Sinn. In Zeiten wie diesen tut mir gerade das Träumen sehr gut, von einer schöneren Welt, die in vielem schon möglich ist und solche Erlebnisse tragen immer wieder dazu bei, in meiner Kraft zu bleiben.

Im warmen Licht ein See, umgeben von dunklen Wäldern und sanften Hügeln. Wind streicht über das Wasser in lauen Wellen. Rufe von Haubentauchern, Grünspechten, Enten und Blässhühnern sind zu hören, sonst umgibt ein Hauch von Stille diesen Ort.

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Schwäne nisten unter ausladenden Weidenzweigen, frisches Grün ist ringsum. Umrunde den See, erhasche Blicke auf kleine Inseln und verträumte Buchten. Felsen wie aufgeschichtete Mauern, auf denen sich Buchen festhalten. Am Ufer im Morgensonnenschein glänzen Tautropfenperlen wie Träume auf Schachtelhalmen und langen Gräsern. Schmale Pfade führen durch den lichten Kiefernwald auf einer Halbinsel, Heidelbeersträucher leuchten im satten Grün. Ein Eichhörnchen klettert den Stamm empor, im See schlägt ein Fisch.

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Am Steilufer überhängende Felsen, die Höhlen gebildet haben. In der Sonne leuchten die Farne über dem dunklen Eingang, der nur durch Hineinkriechen passierbar ist. Auf den Teppich aus weichen Nadeln und vergilbten Blättern lässt sich die Wildfrau nieder, wartet, schaut. Lauscht den rauschenden Bäumen im Wind, wie sie singen. Summt und singt mit ihnen. Noch ist es ein mulmiges Gefühl der dunklen, kalten Höhle in ihrem Rücken, während sie durch die Bäume in die Wellen schaut.

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Schicht für Schicht entkleidet sie sich, bis sie nackt auf der Erde sitzt im Sonnenlicht, das langsam höher steigt und sie wärmt. Es fröstelt sie nur, als sie in die Höhle späht, der kalte Luftzug daraus über ihre nackte Haut streicht. Irgendetwas an diesem Ort ist unheimlich, lässt sie innehalten, sich nicht sofort hineintrauen. Was für Ängste treiben sich hier um? Sie liebt die Erde wie ihre liebste Mutter und doch wagt sie es noch nicht, sich in ihren Bauch zu begeben. Graue Spinnwebenfäden am Rand des Eingangs, die lauernde Dunkelheit, Eingeschlossensein von kalten, harten Wänden. Hat sie Angst vor dem Abgrund so wie sie manchmal Angst vor ihren eigenen inneren Abgründen und tiefsten Schatten hat?

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Sie wagt sich ein klein wenig weiter, die Füße streckt sie hinein ins Dunkle. Klein machen muss sie sich, damit sie durchkommt, die Knie angezogen, den Kopf zur Seite gedreht. Noch ist es hell, sie atmet tief die kühlere, steinerne Höhlenluft, die alles Grün verschluckt. Nun kauert sie im Eingang zwischen Draußen und Drinnen. Langsam weiter, fast kriechend. Es geht steil bergab, das Licht wird schnell weniger. Unter ihren Füßen spürt sie kühle, feine Erde und einzelne Steine. Kaum wagt sie es nach oben an die Höhlendecke zu schauen. Kann sie ihre Ängste loslassen? Der Erde vertrauen? Die Höhle wird halten, nicht über ihr plötzlich zusammenbrechen. Vertraut sie sich selbst genug, um einfach abzutauchen ins Dunkel, ins Innen, ins ewige, unergründliche Geheimnis?

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Ihr Herz klopft laut in der Stille des Steins. Netze aus Quarz und Erde ziehen sich wie ein lebendiges Netz um alles, was nun ihre Welt im Innen ist. Die große Verwobenheit allen Lebens, der Stein ist genauso Teil davon wie ihr Fleisch und Blut und das Grün da draußen. Ein warmes Gefühl durchströmt sie, lässt sie ruhiger werden. Noch tiefer sinken in die Höhle, die Erde, das Sein, das Universum. Sie vertraut. Lässt los.

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Das Licht ruft nach ihr, ein heller Schein schräg über ihr lässt sie aufblicken. Sie kriecht und klettert zurück nach draußen. Das Grün erstrahlt in nie gekannter Helligkeit. Weicher fühlt sie sich. Verbundener. Überwundene Angst vergangen.


Unter ihr das Ufer des Sees. Zwischen Moos und Blättern sitzt sie nackt, die Füße im Wasser. Ihr gegenüber die kleine Insel, die sie schon länger magisch angezogen hat. Zu Vollmond war sie hier mit dem Kanu gewesen, hatte sie umrundet, immer wieder, im Licht der Mondin gesungen und gewusst, sie würde wiederkommen.

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Kühles Wasser umgibt sie, braun torfig ist es, sie sieht nur bis knapp unter der Oberfläche ihre Haut, der Rest versinkt im erdigen Nass. Schafft sie es auf die Insel zu gelangen? Traut sie sich auch das? Gestärkt nach der Höhle verharrt sie dennoch am Ufer. Unsicherheit macht sich in ihr breit. Was lauert im Schlamm unter ihr? Bilder von Blutegeln und Schlingpflanzen tauchen in ihr auf. Vor ihr im Wasser tauchen Luftblasen auf.


Sie lässt Haubentaucher vorbeiziehen und Enten, ehe sie sich weiter wagt. Eintaucht ins Dunkle, Weiche, Schlammige. Weiter hinten sieht sie Seerosen blühen. Ihre Wurzeln im Schlamm versenkt, sich davon nährend. Mit solcher Schönheit aus dem Wasser erhoben, weit geöffnet dem Licht.
Ein Schwimmzug nach dem anderen, an der Oberfläche bleibend. Vorsichtig, Halt suchend im Blick nach den Seerosen. Der Weg zur Insel nicht weit. Steiles Ufer, Baumwurzeln über ihr, Gräser, kaum ein Halt zu finden. Sie schafft es sich hochzuziehen. Nass und nackt ist sie auf der kleinen Insel, umgeben von dunklem Wasser, das blau wird im Himmelsspiegel.
Mit angezogenen Knien kauert sie in der Sonne, nach Wärme suchend im Heidelbeerkraut. Ein Rabe ganz nah. Rauschende Schwingen. Glitzernde Wellen. Initiationsreise. In ihr vor ihr die Schamanin mit Seegras im Haar, die Trommel in der Hand. Uralt und so jung wie sie. Lächelnd. Nackt und in einen Umhang aus Nachtzauber gehüllt.

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Das Eintauchen zum Weg zurück so leicht und natürlich. Erleichtert. Erweitert. Eingebettet, eingebunden ins Sein. Zurückgekehrt, ans Ufer geklettert, den Seerosen gedankt. Auch im Schatten des Waldes ist ihr warm. Läuft nackt durch die Lichtschleier zwischen den Bäumen. An der Höhle nimmt sie ihre Sachen, am Weg wird sie sich ankleiden. Um den See herumgehen. Gestärkt sein. Höhlenerdkraft und Wasserinselstärke in ihr.

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Du möchtest deine persönliche Schamanin vom See? Ich filze sie gerne für dich, schreib mir gerne einen Kommentar oder eine Nachricht auf der Kontaktseite! Die abgebildete ist derweil auch noch zu haben 😉

2 Kommentare zu „Die Schamanin vom See

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