WildfrauenReise 2018 – Teil 3 – Bergslagsleden – Öffne dein Herz für die Schönheit des Landes und deines Lebens!

Nach dem doch eher vollen Tiveden-Nationalpark traf ich in den nächsten Tagen vergleichsweise wenige Leute… bis auf eine kleine Gruppe deutscher Studenten war ich an den Rastplätzen ganz alleine und traf auch untertags nur selten jemanden. Der Bergslagsleden ist einer von ganz vielen Weitwanderwegen in Schweden, ist gut beschildert, Karten gibt es vor Ort und auch vorab im Internet zum Planen. Sogar als App kann man sich Streckeninfos downloaden.

Bis zur Rasthütte am See war es nicht mehr weit. Ich baute mein Zelt auf, richtete mich ein, bewunderte den herrlichen See, entdeckte im Gästebuch einen Eintrag von Christine Thürmer, von der ich schon 2 Bücher habe – sie wandert, radelt und paddelt seit Jahren durch die Welt und ist nun auf dem Weg gewesen von Südschweden zum Nordkap. In dieser Hütte hatte sie im Mai übernachtet! Wie cool! Gerade als ich es mir im Vindskydd mit meinem Tagebuch gemütlich gemacht hatte, fing es zu schütten an – aber wie… War ich froh, dass ich alles schon wetterfest verstaut hatte… so konnte ich dem Regen lauschen und saß im Trockenen… (wie gut, dass ich meinem Gefühl gefolgt war).

 


Glücklicherweise gab es in der Hütte sogar eine große Tüte mit Lebensmittelkonserven! Ich hatte die Tage immer schon überlegt, ob meine Vorräte reichen würden. Der nächste Supermarkt war immer um die 10km entfernt – hin und zurück also mit einem Tagesmarsch verbunden…. Da hatte ich eigentlich gar keine Lust drauf. Und nun gab es hier echt reichlich! Sogar Kaffee!!! Ich dankte im Stillen den wunderbaren Menschen, die all das zur Verfügung stellen – den gepflegten Platz, das Feuerholz, Toilette mit Klopapier und Essen. Wieso gibt es das bei uns in Österreich oder Deutschland nicht…?

 


Der Abend wurde dann echt lustig – die schon erwähnten deutschen Studenten waren unterhaltsam, wir machten ein wärmendes Feuer, denn pünktlich zu Sonnenuntergang kam die Sonne heraus und es kühlte gut ab. Sie hatten genug zu essen dabei und luden mich ein. Wir kochten Tee aus Kiefern- und Fichtennadeln, Heidelbeeren und Ingwer. Wunderbar! Es wurde viel gelacht, ehe ich noch mal zum See schaute, die Sterne bewunderte, mein Atem in der kühlen Nachtluft weiße Wolken bildete und ich mich in mein Zelt verkroch.

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Am nächsten Morgen war es sonnig – wie schön! Verabschiedete mich von den Männern, sie gaben mir noch Lebensmittel mit und auf ging es in den wundervollen Wald. Gegen Mittag kam ich nach Tivedstorp, einem kleinen Weiler mit Unterkunft und Restaurant. Es gab ein günstiges Mittagsbuffet, wie herrlich!!! Nach all dem Couscous konnte ich Kartoffelgratin und Salat und Kaffee und Saft und Knäckebrot und Suppe genießen… Ich nahm mir glaub ich 3 oder 4 Teller… Und draußen schüttete es! Als ich aufbrach, kam wieder die Sonne raus, sehr praktisch. Es waren noch 8km bis zum nächsten Windschutz und die lief ich in nur wenig mehr als einer Stunde. Konnte das sein? Na gut, endlich wieder mal richtig satt gewesen. Unterwegs noch Äpfel und Kräuter gesammelt und Regenkleidung gebraucht, weil es wieder schüttete.

 

 


Die Hütte hatte ich für mich! Erstmal trocknen, die Kleidung aufhängen, in Regenpausen Holz sägen und hacken, unter einem Fels sitzen und schauen. Der See war ziemlich ausgetrocknet und so seicht, dass ich kaum an trinkbares Wasser herankam. Gegen Abend klarte es auf, endlich konnte ich in Ruhe am Ufer sitzen und auf den See schauen (meine Lieblingsbeschäftigung). Ein Feuer wärmte mich in der Dunkelheit. Heute hatte ich mich mit dem Thema Liebe auseinandergesetzt und wie gut ich sie spüre, weil ich das Gefühl habe, dass mein Herz oft verschlossen ist, begraben unter Schichten aus Angst, Sorgen und zu vielen Gedanken.

 

 

 

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Nach einer kühlen, regenreichen Nacht schien wieder die Sonne, alles glitzerte verzaubert! Ich lief mit Regenhose, weil das Buschwerk noch nass war. Der Wald war wundervoll und an einem anderen See trank ich erstmal ganz viel, weil er tiefer und von weit besserer Wasserqualität war. Irgendwie war ich unruhig und schaute zu, dass ich so schnell wie möglich vorankam. Teilweise ging es durch Wirtschaftswald (nicht so schön), teilweise durch wundervolle Naturschutzgebiete. Die 17km bis zum nächsten Windschutz zogen sich hin, als es auch noch ganz dunkel wurde und über mir donnerte.

 

Ich wurde richtig sauer, als es (wieder mal) zu schütten anfing. Ja, das Land braucht den Regen dringend, klar, aber hej, ich bin eh schon ziemlich nass, meine Schuhe werden schon nicht mehr trocken und kurz vor der Hütte werde ich komplett klatschnass! Ich fluchte ziemlich laut in den Wald hinein, scheuchte einen Birkhahn auf. Sorry!

 


Als ich endlich, endlich den rettenden Windschutz erreiche, ist die Wut wie weggeblasen und ich finde plötzlich einen enormen Frieden, in dem ich einfach nur tue, was zu tun ist: nasse Sachen ausziehen, auf meine improvisierte Schuhband-Wäscheleine hängen, mich abtrocknen, trockene Kleidung anziehen. In Regenpausen für ausreichend Wasser und trockenes Feuerholz sorgen, schön nach Größen gehackt aufgereiht in die Hütte getragen nach sägen und hacken. Als der Himmel endgültig klar wird, könnte ich lachen vor Freude! Ich sitze da und schaue, staune, esse, schreibe Tagebuch, schaue… Es ist unglaublich…

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„Eine kleine, nach vorne hin offene Holzhütte,
genug Brennholz, eine Säge, ein Beil
Waldrauschen, Sonne auf regennassen
Heidelbeeren und Rotkiefern
Stille in mir
der See mit den dahinziehenden Wolken…
was will ich mehr?“

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Der See wird immer stiller… ich liebe das so sehr… Mit genug Birkenrinde bekomme ich ein Feuer in der nassen Feuerstelle zustande und trockne meine verschwitzten Socken darüber, lache über den Gestank, wie gut, dass außer mir niemand hier ist! Und als ich da so am wärmenden Feuer sitze, geht die Vollmondin auf! Das war DER Moment, wo mir klar wurde, dass ich zur rechten Zeit am rechten Ort war und alles sich gelohnt hatte, um genau hierher zu kommen… Ich heulte vor Rührung, Berührung, Ergriffenheit, Schönheit, lachte mit den Sternen, tanzte ums Feuer mit nacktem Oberkörper… schwer zu beschreiben, Gänsehaut jedenfalls… fühlte mich leicht und glücklich. Wie sich Mondin, Mars und Sterne spiegelten! Mein Herz ging soooo auf!!! Heulte, dankte, sang mit, mir kamen Bilder vom bisherigen Urlaub und erst jetzt drangen sie so wirklich in mein Herz… nehme ich alles so in all der Schönheit wahr, nicht durch all die Frustschichten… sondern mit offenem Herzen! Danke!!!

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Nachdem meine Lebensmittel nun wirklich zur Neige gingen, machte ich mich auf zu einer kleinen feinen Unterkunft, die von einer Deutschen geführt wurde. Freute mich riesig auf eine warme Dusche!!! Hatte einen spannenden Traum gehabt (es ging um das Traumreich meiner Träume, in dem sich alles zeigte, was ich mir je gewünscht hatte), der begleitete mich durch den Tag. Es war zunächst sonnig, konnte mir Zeit lassen, naschte von den reich tragenden Heidelbeersträuchern, machte Rast bei tollen Felsen und Bäumen.

 

In der Sockenstugan in Ramundeboda gab es wieder ein geniales Mittagsbuffet, wo ich wieder herrlich satt wurde… auch das Zimmer war echt nett, hatte alles für mich, auch heute war ich wieder niemandem am Weg begegnet… Und die warme Dusche erst!!! Fehlen nur saubere Klamotten… hab ja die begrenzte Wahl zwischen stinkender Wanderkleidung und weniger stinkender (denk ich zumindest) Schlafkleidung. Waschen ist aufgrund des nassen Wetters schwierig, das trocknet einfach nicht schnell genug. Ab dem späten Nachmittag regnete es durch, ich gönnte mir heiße Waffeln mit Moltebeermarmelade und Spinatlasagne, schrieb ausführlich Tagebuch, quatschte mit den Auswanderinnen und machte eine schamanische Reise im Bett. Wie fein und gemütlich!!!

 


Noch hatte ich ein paar Tage, ich wollte mich auf etwas Unbekanntes einlassen und fuhr daher noch ans Meer, dazu beim nächsten Mal mehr!

 

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