Der Rasenmähertag oder die Göttin der Inneren Ruhe

Kennst du das? Du willst manchmal einfach nur deine Ruhe haben, aber du findest sie nicht? Im Außen viel Lärm und Trubel und in dir wirbeln die Gedanken?
So erging es mir an einem meiner letzten Wildfrauentage. An diesem Tag schien jeder, aber auch wirklich jeder mit dem Rasenmäher unterwegs zu sein und das schon am Vormittag. Ich hatte abschalten, entspannen und einfach nur gemütlich Radfahren wollen, aber wo ich auch hinkam wurde gemäht. Traktoren überall, bei einem Feldrand wurde wohl Gift oder so gespritzt, es brannte in meinen Augen beim Vorbeifahren. Das konnte jedenfalls nicht gesund sein das Zeug…

 


An sich war es wundervoll durch das sommerliche Land zu fahren. Über sanfte Hügel in abgelegene Täler. Es war ziemlich heiß und ich trank ca. einen Liter pro 10km, so durstig war ich. Irgendwie kippte mein Fahrrad mehrmals um, wenn ich es abstellen wollte, dabei waren die Satteltaschen eigentlich nicht so voll…

 


Nach zwei schweißtreibenden Stunden war ich an dem See, wo ich hinwollte und was war da – ein lauter Rasenmäher… war ja klar heute. Ich ließ mein Rad liegen und erkundete ein wenig die Umgebung, setzte mich auf den Steg und versuchte zu lesen, während es brummte und brummte…

 


Irgendwann war es endlich still… unglaublich… Außer mir war niemand hier und ich genoss die Ruhe… Zumindest die äußere Ruhe. Meistens komme ich leichter zur inneren Ruhe, wenn es außen still ist. Manchmal sind dann allerdings die Gedanken so laut…

 

Es gibt auch Momente, in denen ich über mich lache, denn seien wir mal ehrlich – letztlich schwelgen wir hier meistens im Luxus, auch wenn die Gedanken etwas anderes meinen, so zwecks Kontostand, Sorgen und Problemen aller Art. Ich habe ein Dach über dem Kopf, genug zu essen. Kann einfach mal so mit dem Rad zu einem See fahren, dort meinen Kaffee trinken, kochen, ein Buch lesen. Und baden gehen. Und ich freue mich ja auch über einen gemähten Rasen, auf denen ich mein Handtuch ausbreiten kann.. irgendwann muss es halt auch gemacht werden…

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Lange hielt die Ruhe allerdings auch diesmal nicht… bald schon donnerte es und der Himmel war ziemlich dunkel, der Wind wurde stärker. Na toll. Also zusammengepackt und wieder auf den Rückweg gemacht, im Sturm den Hügel hinauf. Im nächsten Tal war es ruhiger, der Donner nur noch fern. Konnte bei einem Haus mein Wasser auffüllen, insgesamt hatte ich heute fast vier Liter verbraucht… Navigierte nach Hause und wollte eigentlich noch die Ruhe im Garten genießen, aber die Nachbarn mähten natürlich auch den Rasen…

 


In solchen Momenten frage ich mich immer wieder, wie ich in all dem Lärm (ich bin allerdings auch ziemlich sensibel bei Geräuschen, mir ist gleich mal was zu laut) in meine eigene innere Ruhe finden kann, denn die ist ja eigentlich immer da. Nur nicht immer präsent oder leicht erreichbar, zugedeckt mit Gedanken. Wenn ich tiefer komme, zum Beispiel in Meditationen, beim Singen, Radln, Kanu fahren oder in Momenten des reines Seins ist sie manchmal einfach da. Die nächsten Tage machte ich mir Gedanken dazu und versuchte sie in mir zu spüren. Es gibt ein schönes Lied von Anique Radiant Heart mit einer berührenden Zeile: „find that silent space within – the Goddess is always there.“

 

Stelle mir einen wunderschönen, stillen Raum in mir vor, der sich weitet, wann immer ich ihn brauche. Wohin ich mich zurückziehen kann, wenn es laut wird im Außen (seien es nun Rasenmäher, Verkehrslärm, laute Musik oder Gespräche) und im Innen (wenn die Gedanken sich drehen). Meistens kommt mir da das Bild eines ruhigen Sees mit Seerosen. Und wenn ich mit dieser inneren Quelle verbunden bin, kann ich diese Ruhe auch nach außen tragen, regiere anders in stressigen Situationen.

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Wie sieht euer persönlicher innerer Raum der Ruhe aus?

2 Kommentare zu „Der Rasenmähertag oder die Göttin der Inneren Ruhe

  1. Das mit dem Ruhebedürfnis und der Lärmempfindlichkeit kann ich mehr als gut verstehen, das geht mir auch so. Was selbst in der näheren Bekanntschaft manchmal als reichlich lächerlich empfunden wird. Klar auch, dass ich weniger empfindlich bin, wenn ich selbst den Krach mache! Beim Rasenmähen, nachdem mir der Handrasenmäher doch zu anstrengend geworden ist, bin ich ja auf Akku (nerviges E-Surren, aber doch viel leiser!) umgestiegen, aber da wären noch Häcksler, KEttensäge, Motorsense und was der Garten nicht so oft aber doch gelegentlich braucht!
    Doch, wenngleich ich weniger stark (insbesondere wenn die Ohren geschützt sind, hehe) mit meinen Mitmenschen (das sind dann teils auch so Leute, die auf’s Dorfmusikfest gehen und mit Mofa oder Motorrad einen Höllenlärm produzieren) empfinde, wenn ich selbst der Verursacher bin, als wenn ich nur das gepeinigte Opfer bin: selbst dann reicht’s mir bald von dem Krach und nach einer längeren Lärmorgie fühle ich mich wie innerlich durchgerüttelt, durcheinander, verstört. Nein, das mag ich nicht. Es wäre so viel schöner, wäre alles leise hinzubekommen. Aber, wenngleich es möglich wäre, das würde schon viel Zeit kosten und einiges davon wäre mir definitiv zu anstrengend. Und da haben wir den Teufelskreis wieder vollendet.
    Schön wäre es wenigstens, wenn jeder gewisse Ruhezeiten einhalten wollte, aber nein, abgesehen von den in dieser Hinsicht völlig unbeleckten Profis, Handwerkern usw. glaubt der durchschnittliche Bürger, durch Lärm seine Bedeutung und seinen Arbeitseifer zu dokumentieren – und das, obwohl ich behaupte, dass wir in einer Art Lehreraltersheim wohnen, da das der offensichtlichen Masse der näheren Nachbarn entspricht. Aber ja, gerade Lehrer (und warum sollte das im Ruhestand anders sein) haben eines nicht: Zeit. Insofern stellen sie den Prototypen des modernen Menschen, was ja auch so sein soll, da die Jugend… ach, es teufelskreist schon wieder! Keine Sorge, die paar Nicht – Lehrer sind um kein Deut besser (das muß rein, denn Lehrer sind leicht beleidigt). Ach ja, und ich lasse ja Lärm machen: die gefütterten Vögel. Und Frösche am TEich. Und Hunde, die auch mal bellen – das sind störende Geräusche! Denn sie sind nicht von Maschinen gemacht.
    Aber die einfache Frage bleibt: Ruhe, wo ist Ruhe? Einfache Stille, allenfalls unterbrochen von den GEräuschen einer lebendigen Natur? Weiter: wo Nachts noch Dunkelheit? Wo der Ort des tiefen Friedens? Ja, ja, ich weiß schon: entweder mitten in der Wüste – arg weit weg – oder im Grab – bloß, da würde auch eine Rockband nicht mehr stören! Hier in Mitteleuropa? Sinnlos, auch nur danach zu suchen. Du findest den Ort nicht…

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    1. achja, Ruhe, Stille… ein paar solcher Plätze kenne ich… für mich ist es Schweden, ja auch weiter weg, aber da siehst du die Sterne (wenn es denn mal dunkler wird im Sommer) und es gibt Seen, wo es soooo still ist, dass dir dein Atem echt laut vorkommt 😉 hier bei uns auch schwierig, absolut…

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