Manchmal muss es eben ein bisschen MEER sein…

Zyklustag 19

Es gibt so Tage im Leben, da habe ich das dringende Bedürfnis, einfach wegzufahren, abzuhauen, alles hinter mir zu lassen und zu verschwinden, niemandem zu sagen wo ich bin und loszuziehen wohin ich auch will. Die wilde Frau in mir ruft nach  Freiheit, nach Grenzen überschreiten und sprengen, nach Neues entdecken und alte Muster abwerfen, den Haushalt liegen lassen und wegfahren, tun und lassen können was immer ich gerade mag.

Seit nahezu 8 Jahren wohne ich in Kärnten und kein einziges Mal war ich in Italien, dabei ist es bis dorthin weit näher als meine letzte Wahlheimat Salzburg! Mich zieht es sonst immer in den Norden, ich fahre mal eben 2-3 Tage mit dem Zug nach Schweden, wo es doch nur knapp 200 km bis ans Meer wären… Nun aber wollte ich mir endlich einen lang gehegten Wunsch erfüllen, den ich schon seit über einem Jahr mit mir herumgetragen habe – einfach mal einen Tag ans Meer fahren und zwar alleine, einfach los und schauen was passiert. Kinder und Mann waren unterwegs, ich stieg ins Auto und machte mich auf den Weg…

An der Tankstelle kaufte ich mir noch eine Karte von Italien, es regnete in Strömen und frohen Mutes fuhr ich los. Es war toll, immer den Schildern in Richtung eines anderen Landes zu fahren, es war wirklich lächerlich nah diese Grenze. In meinem Inneren erweiterten sich gleichzeitig auch die Grenzen meiner Komfortzone mit jedem gefahrenen Kilometer, der anderssprachigen Straßenschilder und Tunnelbeleuchtungen, der im Regen und Wolkendunst majestätisch aufragenden Berge. Wieso war ich noch nie hier gewesen? Ein Wasserfall am anderen rann von Kiefern und Buchen gesäumten Steilhängen, Taleinschnitte lockten die Wildfrau in die Berge.

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Irgendwann hörte der Regen auf, Richtung Süden (ich fuhr tatsächlich in eine ganz andere Richtung als sonst immer, unglaublich!!!) wurde es immer heller und sonniger! Bald fuhr ich im strahlenden Sonnenschein, die Häuser wurden mediterraner, Zypressen und Pinien am Wegesrand.

Und dann sah ich es: das MEER!!! Das letzte Mal so richtig am Meer (also nicht nur mit der Fähre drüber fahren) war ich 2014 in Schweden, am Mittelmeer war ich als Teenager mit meinen Eltern gewesen… Ich parkte das Auto am Straßenrand und rannte ans Ufer… Hüpfte und lachte… Hunger hatte ich auch endlich mal wieder so richtig (in letzter Zeit hatte ich eher kaum Appetit), aber nun war ich hier in Italien und sah all die leckeren Sachen der Mitgäste im Restaurant und kramte die letzten Reste meiner Italienisch-Kenntnisse hervor und bestellte etwas echt Leckeres, das ich im Null komma Nix verputzte, einfach weil es so gut war…

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Fuhr nach einem Espresso noch weiter an der Bucht entlang, parkte irgendwo in Grado (in der Nebensaison ist echt erträglich, im Sommer wäre das sicher nichts für mich…) und machte mich auf an den Strand. Herrlich menschenleer in der kühlen Brise. Wehenden Haares rannte ich ins Wasser, ließ das Wasser meine Füße umspülen und war glücklich 😉

 

 

 

 

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Sehr lange saß ich einfach nur da und lauschte dem Tosen des Meeres.

 

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Dann war erstmal Spielzeit 😉 so viele Muscheln und Schnecken gab es zum Bestaunen, wie als Kind rannte ich am Strand entlang und betrachtete all die Schönheiten!

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Weiter ging es nun am Strand entlang, gibt es etwas Schöneres? Die Weite, das Wasser, die salzige Luft… An einem Abschnitt mit viel Gras ließ ich mich nieder, lauschte den Jubelrufen der Windsurfer und betrachtete die Wolken und das raschelnde Gras über mir. Einfach nur sein, die Wärme der Sonne spüren. Meine eigene kleine Welt am Strand.

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Den ganzen Nachmittag verbrachte ich so am Strand, bis wieder Wolken auftauchten und es kühler wurde. Schaute mir noch ein wenig die Stadt an, ging barfuß, zündete in der Basilica eine Kerze neben der schönen königlichen Maria an, besuchte riesige Pinien und fand auch mein Auto wieder. Folgte einfach meinem inneren Kompass.

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Zurück am Auto fing es zu regnen an, ich studierte die Karte und eine Route über Slowenien, die genau am Rand des Kartenblattes verlief, sprach mich so dermaßen an, dass ich mit der Karte am Schoß mich durch die Straßen navigierte. Es war aufregend und neu und spannend! Es ging durch kleine Dörfchen, ein paar Städte, viele Kreisverkehre, Laubwälder im goldenen Abendlicht, verwunschene Täler. Ich fand auf Anhieb den richtigen Weg, es war einfach nur toll!!! Durch den Starkregen waren die Flüsse stark angeschwollen, die Straßen noch nass. Ich kam aus dem Grinsen nicht mehr heraus auf der traumhaften Strecke, so viel Wald, so viele Berge, so viele Flüsse, so wenig Leute!!!

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Immer wieder blieb ich stehen und schaute auf den Fluss, in die Berge, spürte das wunderbare Land. Auf was für einem genialen Planeten wohnen wir eigentlich? Und was in aller Welt machen wir damit?

 

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Langsam wurde es dämmrig und immer wilder und magischer, ich konnte mich nicht satt sehen an all den Wäldern und Tälern. Schließlich wurde es ganz dunkel, hier war kaum künstliche Beleuchtung, an einem rauschenden Bach war nichts außer Wildnis und ich hüpfte vor Freude auf den Steinen herum. Über gewundene schmale Straßen ging es bergauf, es wurde immer kälter und schließlich kam der Schnee… Irgendwie unheimlich, meine Spur war komplett zugeschneit, ich war die erste hier wie es aussah, das ABS im Auto blinkte nur so, aber ich schaffte es bis zur italienischen Grenze, wo es wieder bergab ging und schneefrei wurde. Ich wollte Abenteuer und hatte es bekommen 😉

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Überglücklich und müde kam ich zu hause an, meine innere Landkarte erweitert um reiche Erfahrungen, Lebenslust spürend, mir selbst ein wertvolles Geschenk gemacht zu haben. Welch Glück!

 

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