1900 km mit zwei Kindern…

Im Mai war ich mit den Kindern per Auto bei meinem Opa in Thüringen. Ist ja eine ziemlich weite Fahrt und jetzt hab ich erst mal mehr als genug von deutschen Autobahnen, schwarzen BMWs im Rückspiegel und Raststätten-Essen…

Aber dafür ist es meinem geliebten Tal umso schöner! Eine Heilpflanze neben der anderen, Bärwurz und Frauenmantel soweit das Auge und der Erntekorb reicht!

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Meine Tasche mit dem Roten Zelt hatte ich natürlich auch dabei und so baute ich aus einer Wimpelkette, zwei roten Tüchern und Wäscheklammern einen gemütlichen Picknickplatz inmitten duftender Kräuter, einfach herrlich zum Entspannen!

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Wir machten auch einen Ausflug auf einen Aussichtsberg – das mag ich immer sehr gern, wenn man nichts als Wald rundherum sieht! Das ist dann wirklich Heimat für mich!

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An einem eher regnerischen Tag fuhr ich weiter nach Dresden, um mich mit Stefanie zu treffen, eine Rote-Zelt-Schwester(http://www.roteszelt.de/), vor lauter Reden und Träumen haben wir glatt vergessen, ein Foto von uns beiden zu machen! Aber wir werden uns zum Glück bald wiedersehen!

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Sie zeigte mir die berühmte Altstadt mit Semperoper und Frauenkirche, aber auch die andere Seite der Elte – die Neustadt! Da gab es tolle Spielplätze für die Kinder und bemalte Hinterhöfe.

Ich war sehr beeindruckt vom Flair der Stadt, sehr jung, viele Kinder, z.T. sehr alternativ und echt schön, sehr freundlich alle! Haben mir geholfen, wieder zu meinem Auto zu finden und mit den Kindern und den Zweisitzer-Kinderwagen in die Straßenbahn zu bekommen!

Das erste Rote Zelt in der Villa Maria Klagenfurt

 

War etwas aufgeregt, als ich alle roten Sachen in meinem Zimmer zusammensuchte und in zwei großen Kisten verstaute. Danach wirkte es seltsam leer so ohne Gemälde an den Wänden und ohne rote Vorhänge. Es regnete, als ich das Haus verließ und zur Villa Maria fuhr, in der noch eine Geburtstagsfeier im Gange war, was mich kurzfristig etwas stresste, wollte ich doch in Ruhe aufbauen und ausprobieren, wie es wohl aussehen würde.

willkommen

Ein paar Kinder waren noch da und fragten gleich, was ich da tue und warum das alles rot sei. Die Farbe für Frauen sei doch rosa oder pink meinten sie, woraufhin ich antwortete, dass das ja für Mädchen gelten möge, aber nicht für mich erwachsene, starke, kraftvolle Frau 😉 Jedenfalls spielten sie gleich mal im Roten Zelt, während ich ringsherum meine Bilder auf tücherverhangenen Kisten aufstellte, Windlichter verteilte und Bücher auflegte.

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Bald wurde es ruhig und die ersten Frauen trafen ein, während der Regen draußen in Schnee überging und alles in friedliche Winterstimmung tauchte. Mittlerweile brannten im Raum auch nur noch viele Kerzen und eine richtig warme, gemütliche Atmosphäre entstand. Wir tranken Tee, knabberten Nüsse und kamen erstmal richtig an, plauderten ein wenig, bis noch zwei Frauen im wahrsten Sinne des Wortes hineinschneiten. Nun waren wir 6 Frauen, im Alter von 29 bis 80 Jahren, was ich besonders schön fand, so eine gute Mischung zu haben!

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Wir machten es uns im Roten Zelt bequem, sangen gemeinsam ein Lied, spürten ihm nach, ich las eine schöne Textstelle vor und wir hielten einen wundervollen Redekreis ab, bei dem wir uns an den Händen hielten und immer wieder den Worten der weisen Frau in unserem Kreis lauschten, welch Geschenk! Es war sehr berührend!

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Als es schon etwas unbequem wurde im Schneidersitz, massierten wir uns gegenseitig den Rücken im Kreis, so dass jede Berührung gab und gleichzeitig welche erhielt. Vor dem Zelt machten wir noch einen improvisierten Kreistanz.

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Mittlerweile war der Neuschnee draußen schon 10 cm dick und als Abschluss webten wir noch ein Netz aus roten Fäden zwischen uns, legten unsere Hände auf den Boden und spürten unsere Verbundenheit. Es war unglaublich nährend und heilsam, was zwischen uns entstanden war in den knapp 3 Stunden! Wir plauderten noch, ehe ich anfing, alles wieder abzubauen und zu verstauen.

Erst musste ich noch mein Auto freischaufeln, ehe ich einladen konnte, aber zum Ausladen hatte ich dann keine Lust mehr, als ich nach Schneefahrbahn nach Hause kam. Aber ich schlief unglaublich gut und tief in der Nacht, ganz erfüllt und genährt vom Roten Zelt der Frauen!

Wintersonnwend

Wandern wir
durch die dunkelste Nacht
doch ist es nicht ganz finster
spüren die Stille des Landes
es schläft in Winterruhe

Nebel umhüllt uns
dicht und grau
doch weiter vorne lichtet er sich
die Sterne des Winters blinken hervor
vom klaren Himmel
verschwinden wieder in Nebelschwaden

Legen uns unter den Weidenbaum
auf die kalte Erde
doch getragen vom gefallenen Laub
singen unser Lied
klopfen uns sacht mit der Rute ab
geben uns den Segen der Sonnwend

Ziehen uns ins Haus zurück
löschen alle Lichter
dunkel und still ist es nun
begeben uns auf die Reise
in die Unterwelt
zur Göttin der Rauhnacht
Percht und Holle

Jede für sich
und doch nicht allein
geborgen in der warmen Stube
schwebend in der Finsternis
umgeben von unseren Schwestern
atmen wir
wir sind getragen, behütet und beschützt

Lange Zeit sitzen wir so im Kreis
bis eine anfängt ein Lied zu flüstern

„Im Dunkel unsrer Nacht
entzünde das Feuer
das niemals verlöscht
das niemals verlöscht“

Tastende Hände berühren sich
auf der Suche nach Streichhölzern
wir lachen

Das erste Streichholz glimmt nur bläulich auf
wir lachen
das zweite Streichholz ebenfalls
wir lachen
das dritte Streichholz lodert auf
wir sind geblendet
das Licht ist zurückgekehrt
wir lachen

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Lied „Im Dunkel unsrer Nacht“ aus Taize
http://www.geocities.ws/markuskantz/imdunkel.html