In etwas mehr als einem Monat kommt meine nächste Schwedenreise und nun lasse ich gleichzeitig die vom letzten Sommer Revue passieren. Meine insgesamt dreizehnte Schwedenreise war wieder wunderbar gewesen, die Zugreise selbst funktionierte gut und auch vor Ort durfte ich wunderschöne Momente erleben. Durch meinen Schwedisch Kurs fühlte ich mich auch noch mal mehr verbunden mit den Leuten im Land. Nachdem mir die einsame Insel vom Jahr davor so gut gefallen hatte, beschloss ich, wieder dorthin zu reisen mit Outdoor Schweden.
Kann die Heiligkeit des Seins, die Magie der Schwedenreise selbst erschaffen, es fließen lassen in mir. Ich muss nichts tun außer Vertrauen, alles aus mir fließen lassen, die Worte, Gefühle, in die Leere und Stille darf ich gehen, mich gehen lassen, im Sein ankommen, raus aus dem Müssen, hinein ins Dürfen. Und es immer wieder fließen lassen, in meinem ureigenen, wunderschönen Fluss sein, im Fluss mit mir und der Welt, dem Land, der Fluss, in dem ich immer bin, der manchmal doch so weit weg erscheint, der immer da ist und ich immer wieder scheinbar die Verbindung verliere. Mich nicht auf Äußerlichkeiten beschränken. Dem Zauber vertrauen, der immer da ist. Im Sinnbildlichen Freude sehen. Muss mir keine Mühe machen. In die Entspannung atmen, mich nicht mehr zurückhalten müssen. Die Kälte spüren im Außen und meine innere Wärme. Den Fischen im See danken und dem Regen lauschen. Zarter Heidelbeerkrautduft, deren Früchte noch reifen.

Den See begrüßen, singen, meine Intention der All-Ein-Zeit dem Land kundtun – zur Ruhe kommen, die Wildfrau in mir wieder erwecken, mich wilder und freier fühlen – und gemütlich lospaddeln. Wählte wieder dieselbe Insel wie letztes Jahr, richtete mir einen feinen Platz, kam erstmal an, machte ein Schläfchen im Zelt, während draußen der Regen rauschte. Als es trocknete, setzte ich mich auf einen Felsen und schaute, ließ die Gedanken im Wind fliegen.

Ich merkte, dass ich nach den letzten Monaten ziemlich erschöpft war, ständige Schlafprobleme haben auf Dauer einfach ihre Auswirkungen und ich erwartete jetzt nicht von mir, dass sich auf Knopfdruck die Entspannung einstellte, nur weil ich zwei Minuten auf der einsamen Insel war. Durfte liebevoll und sanft mit mir sein, mein Schwedengrinsen würde mit der Zeit schon kommen, sich mein Herz wieder öffnen können für die Magie des Seins, auch wenn ich mich zu Beginn noch sehr verschlossen fühlte.

Was gibt es Schöneres
als diesen Moment hier?
den Wolken beim Fliegen zusehen
den Wellen beim Tanzen
den Bäumen beim sich Wiegen

Ich darf gut für mich sorgen, auch wenn es anstrengend ist. Einfach nur die Gräser am Ufer bewundern. Ich bin genug so wie ich bin. Gegen Abend wurde ich ruhiger, so wie auch der See ruhiger wurde. Hängematte, am See sitzen und schauen, die Schauer werden weniger und hörten dann ganz auf. Also nochmal ins Kanu und den See erkunden. Einfach paddeln und die Abendsonne genießen. Bei dieser wunderschönen, kleinen Insel, die mich letztes Jahr schon so berührt hatte, sah ich die fast volle Mondin, während auf der anderen Seite des Sees die Sonne langsam unterging. Ein Biber schwamm in aller Ruhe vorbei, Prachttaucher riefen in den wundervollen Abend hinein. Zurück auf der Insel machte ich ein Feuer, sang, schaute die Mondin an, bestaunte das magische Licht.

Mir kam ein kleines Lied, das ich die nächsten Tage oft vor mich hinsummte:
I am one with the wind and the water
I am one with the wind and the water
I am one, I am one, I am one, I am one
I am one with the earth and the fire
I am one with the earth and the fire
I am one, I am one, I am one, I am one

War teilweise sehr unruhig in mir, noch immer gefühlt nicht angekommen hier im Land. War von mir selbst genervt und saß es eben aus, saß ja eh mehr oder weniger auf der Insel fest, nachdem mir der Wind zu stark war, um mit dem Kanu unterwegs zu sein. Fühlte mich verspannt und beschäftigte mich mit dem Reflektieren der letzten Monate, während die Bäume über mir rauschten und die Wolken dahinzogen.

Dieses Jahr war der Wind oftmals stark und auf so einer Insel ist man gut exponiert. Nach einer Weile bekam ich schon den Inselkoller und fuhr deswegen an Land, besuchte einen wunderschönen See mit Moorpflanzen wie Sonnentau, Wollgras und Zwergbirken. Als ich zu meiner Insel zurückpaddeln wollte, kam ich nicht weit, denn der Wind war so stark, dass ich gleich mal abgetrieben wurde und es nur bis zu der kleinen Mondinsel schaffte, wo ich für ein paar Stunden festsaß. Auch mal eine spannende Erfahrung, bei der ich mit all meinen Ängsten, meiner Wut und jeder Menge Selbstzweifel konfrontiert wurde. Bis ich mich fragte, was mir diese Erfahrung ermöglichte. Einfach mal zu sein, innezuhalten, all das fühlen und wahrnehmen zu können, was da in mir ist. Die kleine Insel genauer zu erkunden, ein leeres Vogelnest finden, Sonnentau und wunderschöne kristalline Steine. Darauf zu vertrauen, dass der See auch wieder ruhiger wird und ich zurückkehren kann.

Darauf vertrauen,
dass der See ruhig wird,
darauf warten,
dass meine Seele ruhig wird,
beides vom Wind des Lebens aufgewühlt
zu Wellen aufgetürmt
starker Wind zerrt an schwachen Nerven
bereust du es,
die schöne, sichere Insel verlassen zu haben?
Angst, vom Kurs abzuweichen
und nie mehr nach Hause zu finden?
kaum denkt man,
die Wogen könnten sich glätten
und der Wind sich legen
kommen die nächsten Böen
die Stimme, die flüstert: „vertrau“
wirklich?
„ja“

Und irgendwann, als ich es nicht mehr aushielt und es etwas ruhiger war, sagte ich „ja“ und fuhr los, sang, zitterte, es gab noch einige kleine Böen, aber ich schaffte es! Ich war sehr froh, endlich wieder zuhause zu sein – und in dem Fall ist ja da zuhause, wo das Zelt steht. Wärmte mich erstmal etwas auf, machte ein Sonnwendfeuer und kuschelte mich später mit einer Wärmflasche in meinen Schlafsack.

Den Tag über wanderte ich immer weiter auf der kleinen Insel – je nach Sonnenstand hatte ich verschiedene Plätze, an denen es sonnig und teilweise windstill war. Am Vormittag wagte ich mich auch in den See zum Schwimmen, sehr erfrischend und tat gut. Sonnte mich, schaute auf den See, aß etwas, machte ein Schläfchen, Yoga, schwamm, schaute auf den See. Das Sein verschmilzt mit dem Tun. Je ruhiger der See war, desto ruhiger war meine Stimmung. Manchmal auch sehr friedlich.

Mit jedem Atemzug
verschmelze ich mehr mit dem Land
Glitzerwellenzauber
wärmende Sonnenstrahlen auf der Haut
würziger Duft des Kiefernwaldes
die tiefe Stille
die Rufe der Prachttaucher
die geheimnisvolle Zauberinsel
vermag aus der gestressten Alltagsfrau
wieder eine Wildfrau zu machen

Blieb in der Sonne liegen, einfach, weil es so fein war mich zu sonnen, träumte vor mich hin, verschmolz mit dem Land. Später am Abend machte ich wieder eine Kanutour, diesmal auf die andere Seite des Sees. Spazierte auch ein wenig an Land, damit ich mir ein wenig die Beine vertrat, auf der kleinen Insel war ich ja in zwei Minuten rundum gelaufen. Am Wegesrand blühten wunderschöne Orchideen, Gräser, Glockenblumen und das Sumpf-Herzblatt. Streifte am Ufer entlang, bewunderte Wollgras und schaute auf meine kleine Insel hinüber.

Und als ich da so durch den Wald stapfte mit Feuerholz in den Armen, spürte ich sie wieder – meine Wildfrauenkraft. Das tat so gut! Hatte auch jetzt erst das Gefühl, wirklich angekommen zu sein, durch das still gewordene Wasser, das Schwimmen und nun diese Kanutour. Das Abendlicht wurde immer schöner, goldener, glitzerte auf dem See, spiegelte sich im Wasser, als ich von Insel zu Insel paddelte und es genoss, wie das Paddel sanft ins Wasser tauchte. Nur Vögel, Insekten und leises Plätschern zu hören war. Spürte meinen Körper intensiv, meinen Atem. Ganz nahe tauchten mehrere Prachttaucher auf, ein Pärchen mit zwei Jungen. Zurück auf meiner Insel lag ich so lange in der Hängematte zwischen Bäumen am Ufer, bis die Sonne weg war.

Der nächste Tag brachte Wolken, intensive nächtliche Träume und ich verbrachte viel Zeit im Zelt eingekuschelt in meiner Innenwelt. Beobachtete mich selbst, philosophierte über Lebensthemen wie meine Gaben, meine Sehnsüchte und wie ich den Alltag für mich besser gestalten könnte, so dass ich nicht ständig in Erschöpfung gerate. Tauchte tief in innere Wandelprozesse ein. Wer bin ich noch? Wie möchte ich sein? Was darf wegfallen, was hinzukommen? Was kann ich von meinen Freunden lernen? Wie darf mein Leben ausschauen, wenn ich 50 bin? Fragen, für die im Alltag meist wenig Platz ist. So, wirklich weit weg auf einer einsamen Insel bin ich gut ausgestiegen und kann mir mein Leben von einer höheren Perspektive ansehen.

Als ich genug gedacht hatte, machte ich eine Kanutour im sanften Regen. Die Stimmung war auch schön, so ganz anders als gestern im strahlenden Sonnenschein. Nun war alles eher grau, doch meine Innenwelt war bunt und ich spürte kühlen Regen im Gesicht, schaute den Tropfen zu, wie sie in den See fielen, ließ mich treiben, erkundete noch Inselchen und Buchten. Abends machte ich ein Feuer, sang für die Vollmondin und flauschte mich bald ein. Ein paar lästige Gedanken tauchten auf und machten mir das Einschlafen schwer. Meditierte und atmete.

Nach einigen guten Nächten hatten mich die Schlagschwierigkeiten wohl gefunden auf meiner Insel, träumte sehr intensiv und brauchte in der früh sehr lange, um irgendwie munter zu werden und die Bilder der Nacht verschwinden zu lassen. Es zog mich dann auf einen Aussichtspunkt, wo ich zu anderen Ufer paddelte und den Berg bestieg. Ganz schön warm war es am Weg oben, aber der Blick auf Wälder, Moore und Seen wirklich großartig und oben telefonierte ich mit meiner Familie. Fand am Weg sogar schon ein paar reife Heidelbeeren, waren die köstlich! Zurück auf der Insel war es windig und kalt, ich kuschelte mich gemütlich ein im Schlafsack in der Hängematte, damit ich auch immer den besten Blick auf den See hatte. Viele Gedanken schwirrten in mir umher, von schlechtem Gewissen bis Zukunftsängsten waren da spannende Themen dabei, aber die wollen wohl auch gedacht und bedacht werden wie es aussieht.

Abends wurde der See und auch ich wieder ruhig. Fuhr zu meiner Mondinsel, tanzte nackt im sanften Sonnenuntergang, genoss es, der Himmel so weit. Spiegelte mich im See. Ließ mich treiben auf dem Wasser, bewunderte Wolkenformationen und wie sich das Licht langsam änderte. Saß noch lange am Feuer in diesem Farbenspektakel, das der Himmel an meinem letzten Abend für mich gezaubert hatte. Mein letzter Morgen war fein, mit erfrischendem Morgenbad, leckerem Frühstück, einem wunderbar ruhigen See. Packte in Ruhe alles ein, machte den Platz sauber und bedankte mich für diese nährende Zeit auf der Insel. Hatte noch ausreichend Zeit, bis ich abgeholt wurde, so konnte ich noch gemütlich paddeln, am Windschutz vorbeischauen und bei Seerosen, in der Sonne schlummern und Kranichen lauschen. Obwohl am Camp von Outdoor Schweden wenig los war, kam es mir doch voll vor nach den Tagen der Einsamkeit, aber ein wenig reden tat auch wieder gut und abends durfte ich sogar mal angeln probieren. Am nächsten Tag fuhr ich dann weiter nach Norden, aber das ist eine andere Geschichte…

Hallo Stefanie, darf das auf Facebook / Insta gepostet werden? Sollte es nicht Schweden 2025 heiÃen ???? 😉 Wünsche Dir eine gute Zeit. VG Norman WildFrauenKraft <comment-reply@wordpress.com> h
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Hi Norman, klar kannst du das teilen 😉 und 2024 ist schon ganz richtig, das war ja der bericht vom letzten Jahr. bis ganz bald, liebe Grüße
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