Gedichte für die „Göttin in Deutschland“ – Poems for the German Goddess Conference

Samhainabend

Über die abgeernteten Felder gehe ich

und rieche die würzige Erde,

atme tief die kühle neblige Luft.

Am Waldrand bleib ich stehen,

sehe auf die Äcker und Wiesen,

über mir rauschen die Bäume

und Blätter tanzen im Wind.

Das Licht, es ist so unwirklich

an diesem Abend um Samhain.

Goldenes Gras

unter dunklen Fichten,

Blätter wie Kupfer und Bronze

im lichten Buchenwald

und Moose wie Smaragde leuchtend

im sonst so finsteren Wald.

Hier ist es mit einem Mal so still,

als hätte ich ein Tor durchschritten.

Wärme umfängt mich,

als die Göttin zu mir tritt.

Es ist, als wäre ich noch nie hier gewesen,

dabei war ich so oft unterwegs in diesem Land.

Es geht so leicht, alles ist so ätherisch,

durchwoben mit Liebe.

Als ich am Waldrand stehe,

sehe ich die Sonne untergehen

und ihre letzten Strahlen

tauchen die Blätter

in unirdische Farben, so leuchtend,

dass ich meinen Blick

nicht abwenden kann.

Ich besuche den Eichenkönig,

der über das Land wacht.

Zusehends wird es dunkler

und im Wald sind die Schatten lang.

Ich gehe ins Moor,

wo schon die ersten Nebel hängen.

Am kleinen Teich

stehe ich lange nur da

und schaue auf die Spiegelung

des Himmels,

lausche den Enten und Gänsen

und dem Wispern des Schilfes.

Der erste Stern

leuchtet am Firmament,

als ich nach Hause zurückkehre.

Herbststernentanz

Tanze in der herbstlichen Wiese

Tanze im kalten nassen Gras

Tanze im Rascheln

der fallenden Blätter

Tanze bis die Nebel kommen

aus den dunklen tiefen Wassern

Tanze einen Kreis, tanze eine Spirale

Breite deine Arme aus

und begrüße die Sterne

dreh dich wie das Silberrad

fliege wie der diamantene Schwan

Fühle die Wärme von Mutter Erde

wie sie in deinen Körper dringt

lege dich auf den Boden

sehe tief in den Himmel hinein

werde eins

mit dem Herz des Schwanes

Autumn Star Dance

Dance in the autumn meadow

Dance in the cold wet grass

Dance in the rustling

of the falling leaves

Dance until the mists shall come

out of the dark deep waters

Dance a circle, dance a spiral

Spread your arms

and greet the stars

circle like the silver wheel

fly like the diamond swan

Feel the warmth of Mother Earth

coming into your body

lay down on the ground

look deep into the sky

become at one

with the heart of the swan

Sternennacht

Komme zur Ruhe

auf den stillen Feldern,

nach dem Lärm der Stadt

hörst du das Waldesrauschen.

Der Wind singt in den Bäumen,

der Wind singt leis’ im Gras,

er wiegt es sanft in Wellen,

so lass dich von ihm leiten.

Durch die wogenden Äste

erblickst du die Sterne,

sie scheinen zu tanzen

in ihrem funkelnden Glanz.

Du gehst durch raschelnde Felder,

knisterndes Gras zu deinen Füßen,

die Erde staubig, wartend auf Frühlingsregen,

die Luft von Kräuterduft erfüllt.

Sieh im Westen die Venus,

sie strahlt so hell und klar,

die Göttin der Liebe ist überall,

besonders zu dieser Zeit.

Der Tag ist bald vergangen,

die Nacht erwacht zum Leben,

schon verblasst der Abend

in pastellnen Farben.

Die Sterne des Winters versinken im Westen,

Sirius, Orion und Plejaden.

Im Osten wartet schon das Dreieck des Sommers,

Wega, Deneb, Altair.

Gehe zu den alten Bäumen,

setze dich zu ihren Füßen,

staune über all die Pracht,

die der Sternenhimmel hat.

Lass die Ruhe in dich fließen,

nimm die Stille in dir auf,

spür den Wind auf deiner Haut,

fühl dich wohl und frei.

Werde eins mit diesem Ort,

der das Tal bewacht,

sei die Erde und das Land

und der Sternenhimmel.

Sieh wie sich die Sterne drehen,

fort und fort und immer fort,

nichts bleibt wie es ist

und kehrt spiralig wieder.

Nun kannst du nach Hause gehn,

erfüllt von Sternen und der Nacht,

die Nördliche Krone schwebt über dir,

Arianrhod ist immer bei dir.

Wilder Tanz – Wild Dance

Bewege dich und tanze,

wild und frei,

dich wiegend und stampfend,

mal langsam, mal schnell,

voller Freude und Lust,

oder voller Traurigkeit und Tränen.

Befreie dich von allem, was bedrückt,

tanze es heraus, stampfe es in die Erde,

male es mit deinen Händen in die Luft.

Move yourself and dance,

wild and free,

rocking and stamping,

slow and fast,

full of pleasure and lust,

or full of sadness and tears.

Free yourself of everything that depresses,

dance it out, stamp it into the earth,

paint it into the air with your hands.

Weidenfrau – Willow Woman

Gehe hinaus in den Frühling,

gehe Schritt für Schritt hinaus aus der Stadt,

hin zu den Feldern und Wäldern.

Lass dich von der Weide umfangen

mit ihren beblätterten Armen,

spiele mit ihr um Schatten und Licht.

Schaukel und jauchze wie ein Kind.

Go out into the spring

step by step out of the city,

to fields and woods.

Be embraced by the willows

laefy arms,

play with her about shadow and light,

swinging and cheering like a child.