Das Geschenk der Guten Fee

Es waren einmal zwei Schwestern, die hießen Schneeweißchen und Rosenrot, Eine war genauso hübsch wie die andere und sie wohnten gemeinsam in einem großen alten Haus, das sie geerbt hatten. Als sie älter wurden, heirateten beide je einen Mann und bekamen jeweils ein Kind. Es war genug Platz im Haus, so dass beide eigentlich glücklich und zufrieden dort hätten leben können.

Doch eines Tages verschwanden auf einmal Socken. Nichtsahnend hatten Schneeweißchen und Rosenrot ihre Wäsche gewaschen und auf einmal war von jedem Sockenpaar nur noch eine Socke übrig. So blieb ihnen nichts anderes übrig als die bunten Socken unterschiedlich zu kombinieren und sie gewöhnten sich daran, gestreifte und gepunktete Socken zusammen zu tragen. Ihren Kindern war es nur recht, das war lustiger und den Männern fiel es nicht einmal auf.

Doch eines anderen schönen Tages tauchten plötzlich in den Ecken merkwürdige Flecken und Ansammlungen auf, die die Kinder neugierig beäugten und sie „Wollmäuse“ nannten, denn es waren kleine graue Bündel aus Haaren und Staub, die das Haus besiedelten und es wurden jeden Tag mehr! Schneeweißchen und Rosenrot waren ratlos, was sie nun tun sollten. Auch verschwanden immer mehr von den Socken, die dreckigen Teller stapelten sich in der Küche und bald kamen die Schwestern nicht mehr hinterher mit ihrer Arbeit, sie wussten nicht, wo sie beginnen sollten.

Sie fragten in Haushaltgeschäften, Frauenzeitschriften und Müttergruppen nach, aber diese konnten ihnen auch nicht weiterhelfen. Dies sei nun einmal das Schicksal der Hausfrauen und Wollmäuse und Sockenmonster waren nun einmal nicht in den Griff zu bekommen! Das Haus verdreckte immer mehr, die beiden Schwestern wollten kaum noch zu Hause sein, in dem sie sich nicht mehr wohl fühlten und sie ständig nur unnütze Arbeit hatten, die nie zu Ende ging, denn kaum hatten sie die Wollmäuse entfernt, tauchten die nächsten auf, kauften sie neue Socken, so waren sie nach ein paar Wäschen verschwunden. Sie waren verzweifelt und wussten sich nicht mehr anders zu helfen als zu beten. Sie beteten so inbrünstig, dass die gute Fee Mitleid mit ihnen bekam und sie eines Abends, als die Schwestern wieder gemeinsam beteten, in einer duftenden Glitzerwolke zu ihnen kam und fragte, was sie für sie tun könnte.

„Bitte liebe Gute Fee, erlöse uns von dieser furchtbaren Hausarbeit, von Wollmäusen und Sockenmonstern, von dieser eintönigen Schufterei, die doch nichts bringt!“ bettelten die Schwestern. „Nun gut, ich werde euch helfen,“ versprach die Gute Fee und gab ihnen einen Zauberstab, mit dem sie alle Unordnung in Blitzgeschwindigkeit beseitigen könnten. Sie bedankten sich vielmals und die Gute Fee verschwand so schnell wie sie aufgetaucht war. Gleich am nächsten Morgen, als die Männer in der Arbeit und die Kinder im Kindergarten waren, probierten sie das Geschenk der Fee aus. Schneeweißchen zeigte mit dem Stab auf eine Ecke voller Wollmäuse und – schwupps – waren diese in einer kleinen Rauchwolke verschwunden. Sie probierten es im ganzen Haus und bald glänzte alles wie neu, die Wäsche hing duftend und die Sockenpaare vollständig auf der Leine, die Küche blitzte nur so. Vor Freude tanzten die Schwestern Arm in Arm durch das ganze Haus! Sogar das Essen konnte der Zauberstab im Nu zubereiten!

So geschah es nun jeden Tag und das Haus blitzte immer vor Sauberkeit. Wem die Kinder ihre Unordnung hinterließen, musste nur eine der Schwestern heimlich mit dem Zauberstab hinzeigen und schon verschwand der Schmutz von selbst.

Nach einem Monat jedoch wurde den Schwestern komisch zumute, sie wussten mit ihrer vielen freien Zeit nicht immer etwas anzufangen. Sie hatten schon vieles probiert, waren vergnüglichen Tätigkeiten nachgegangen, hatten frohlockt und gejauchzt, aber mit der Zeit wurde der Schwung des Zauberstabes immer langsamer und die Schwestern fragten sich, was ihnen fehlte. Den ganzen Vormittag hatten sie nichts zu tun, die Hausarbeit war blitzschnell erledigt, das Essen gekocht und die Schwestern saßen ratlos am Küchentisch und fühlten sich auf einmal leer, nutzlos und frustriert. Auf einmal fehlten ihnen die Wollmäuse und Sockenmonster, es war richtiggehend langweilig!

„Was hältst du davon,“ fragte Rosenrot, „wenn wir von nun an ein wenig der Hausarbeit wieder selbst erledigen und nicht mehr alles mit dem Zauberstab machen?“ „Das ist eine gute Idee!“ sagte Schneeweißchen. Und so kam es, dass sie die Wollmäuse mit anderen Augen sahen, dass es ihnen auf einmal Freude machte, wieder gemeinsam und in Ruhe das Essen zuzubereiten, bewusst die Wäsche zu waschen und die Wollmäuse einzusammeln. So wie sie Ordnung in ihr äußeres Leben brachten durch Aufräumen, Sortieren und Saubermachen, so machten sie gleichzeitig Ordnung in ihrem Inneren. So kam es, dass der Zauberstab immer seltener benutzt wurde, die beiden trotzdem fröhlich durchs Haus tanzten mit dem Besen in der Hand. Und die Gute Fee lächelte vor sich hin…

DSC07240

Besuche im Roten Zelt

Es ist schön zu sehen, dass es nun in immer mehr Orten Rote Zelte gibt, das Netzwerk wächst ständig und so rücken sie auch immer weiter zusammen, so dass es leichter wird sich gegenseitig zu besuchen. Auch als Leiterin eines Roten Zeltes ist es eine Wohltat, mal woanders hin gehen zu können, ohne selbst alles aufzubauen und vorzubereiten, sondern einfach nur die Stimmung und die Atmosphäre zu genießen!

Diesmal war ich in der Steiermark bei Katrin Sander (https://katrinsander.wordpress.com/) im Roten Zelt und es war wundervoll, sie und andere Frauen kennenzulernen, sich zu vernetzen, auszutauschen, Geschichten zu erzählen, zusammen zu essen und zu plaudern und neue Ideen zu sammeln, mich inspirieren zu lassen.

DSC08291

Meine Roten Zelte sind ja meist nur wenige Stunden am Abend, bei ihr hingegen geht es nahezu den ganzen Tag und es war spannend, wie außerhalb von Zeit und Raum das Rote Zelt eigentlich ist! Wir verbrachten die meiste Zeit darin und wir waren herrlich abgeschottet vom Rest der Welt, drinnen verging die gefühlte Zeit ganz anders als dann tatsächlich vergangen war. Wenn wir hungrig wurden, aßen wir halt… Wenn ich mir vorstelle, mit anderen Frauen gleichzeitig zu bluten und dann gleich die ganze Mondzeit zusammen im Roten Zelt zu verbringen, was das dann erst für ein Effekt sein muss! Ich würde es sehr gerne herausfinden und erleben dürfen!!! Ganz für uns zu sein, außerhalb der „normalen Welt“, einfach nur für uns, ganz bei uns sein, Ruhe haben, träumen dürfen, eingehüllt sein vom roten Licht des Zeltes und gewärmt von Kissen und Decken…

Gerade jetzt habe ich meine Mondzeit, ich sitze allein für mich in meinem Zimmer, das ich mit roten Tüchern und roten Kerzen ebenfalls in ein Rotes Zelt verwandle. Am Abend, wenn die Kinder schlafen, nehme ich mir die Zeit einfach nur hier zu sein. Katrin hat mir Henna geschenkt, damit bemale ich meine Füße und ich weiß, dass in ihrem Roten Zelt ein rotes Teelicht von mir brennt. Sie hat uns auch Körperbutter geschenkt und ich verwöhne damit meine Hände und Beine, es duftet gut! Dann hab ich das Gefühl, nicht mehr so allein in meinem Roten Zelt zu sein, sondern verbunden zu sein mit den anderen Frauen, sowohl aus meinem Netzwerk (von meinen Roten Zelt Abenden hab ich noch ein rotes Band ums Handgelenk), als auch von neu kennengelernten und all jenen, die auch gerade bluten. Meinen Freundinnen schreibe ich auch meist eine SMS mit Grüßen aus dem Roten Zelt, oft sind wir genau am anderen Pol im Zyklus und manchmal auch nur ein paar Tage verschoben.

Ich bin so dankbar, dass es das nun wieder gibt und es immer mehr werden! Danke Katrin und den anderen Frauen für diesen schönen Tag!

Alles Liebe

Elaria