Anfang Dezember hatte ich für eine Woche ein Auto zur Verfügung und das nutzte ich natürlich, um einen Wildfrauentag zu unternehmen. Hatte noch ein paar Überstunden vom Sommer übrig, so nahm ich mir unter der Woche einen Tag frei (da ist einfach weniger los überall 😉) und fuhr zum Brombachsee. Irgendwie zieht es mich einfach an Gewässer, denn wie ihr wisst, sitze ich einfach am liebsten an einem See und schaue.
Die Fahrt war schon sehr spannend. Bei uns war dichter Nebel und auch weiter im Altmühltal, aber ich fuhr immer mal wieder auf sanfte Hügel hinauf und dort schien die Sonne. So wechselte sich das eine Zeit lang ab, ich fuhr wieder in Nebelwände hinein, an manchen Stellen tauchte die durchschimmernde Sonne den Raureif in goldenes Licht und weiter oben kam einem der Nebel im Tal unwirklich vor. Ein Stück fuhr ich auf der Autobahn, auf der wir als Kind immer in meine Heimat Thüringen gefahren sind. Wie lange das her ist! Das Altmühltal lag damals auf der Hälfte der Strecke und meine Großeltern holten uns in den Ferien dort ab, damit wir die Zeit bei ihnen verbringen konnten, während meine Eltern wieder zurück nach Südbayern gefahren sind. Irgendwie zieht sich das durch in unserer Familie, dass alle sehr weit auseinander wohnen. Aber zurück zum Wildfrauentag. Gegen späteren Vormittag war kein Nebel mehr zu sehen und ich erfreute mich am lang ersehnten Sonnenschein, denn im Donauraum kann es auch mal wochenlang einfach nur trüb sein. Aber so geht einem gleich das Herz auf.

Am See angekommen fuhr ich eine Weile umher, bis ich einen Parkplatz gefunden hatte und wie erwartet, war da gar nicht viel los. Wunderbar! Also Rucksack geschultert und ab an den Strand, wo im Sommer bestimmt die Hölle los ist. Für baden war es mir zu windig, ein Handtuch hatte ich sogar eingepackt. Da ich um Punkt 12 Uhr meistens hungrig bin, wanderte ich erst ein wenig den See entlang, bis ich einen umgestürzten Baum sah, auf dem ich bequem mit einer warmen Sitzunterlage sitzen konnte. Mir ist warmes Essen mittags einfach lieber, vor allem im Winter und so packte ich meinen Gaskocher aus, erwärmte im Topf mein vorgekochtes Gemüse und trank meinen Kräutertee dazu. So schön war das! Einfach dasitzen, etwas Leckeres zu essen, den Wellen des Sees lauschen und das Glitzern am Wasser beobachten. Mehr brauch ich da gar nicht.


Still wird es
in mir
am See
Wellen lauschen
Sand und noch grüne Gräser
neben windzerzausten Kiefern
Sonnenstrahlen wärmen
mein sich sehnendes Herz

Nach dem Essen wanderte ich noch ein wenig weiter, schaute mir Biberspuren an, beobachtete Kormorane und hüpfte fröhlich am Strand entlang. Das Leben kann so schön sein! Der Stausee ist schön groß, es gibt wundervolle Sandstrände und dahinter Kiefernwälder, meine Lieblingskombination, die es ja auch in Schweden gibt. Versuchte mich an meinen letzten Wildfrauentag zu erinnern, aber ich kam nicht drauf. Ich würde mal sagen, wenn dem so ist, ist er eindeutig zu lange her. Für mich ist so ein Tag sehr wichtig. Zuhause sieht man doch meist etwas, das getan werden muss – die Wäsche, Staubsaugen, Steuererklärung, Küche… Und so muss es auch Tage geben, an denen wirklich frei ist.



Die Sonne verschwand immer wieder hinter Wolken und es war schon frisch, aber ich wechselte wandern mit sitzen und schauen ab. Genoss die Stimmung im Kiefernwald, wenn die Sonne durchschien und das Wellenrauschen tat so wohl. Fast wie am Meer. Als mir danach war, ging ich zum Auto zurück und legte mich etwas auf die Rückbank für ein Yoga Nidra. Das ist mir zu einer lieben Routine geworden. In der Mittagspause höre ich mir ein 10minütiges an, es gibt aber auch welche bis zu einer Stunde und mittlerweile habe ich auch zwei Lieblings-Yoga-Nidras auf Schwedisch.

Auf einer Karte auf der Infotafel hatte ich gesehen, dass es in der Nähe ein „Schnittinger Loch“ und eine „Schnittinger Eiche“ geben soll, das machte mich neugierig und so fuhr ich noch dorthin, nachdem es mehr oder weniger am Rückweg lag. Mittlerweile war es wolkig und durch schönen Eichenmischwald ging es Treppen hinunter in wunderschöne Felsformationenen. Das rote Gestein berührte mich tief, eine Quelle sprudelte hindurch und ich saß dort und sang Lieder für das Wasser und die Erde.

Spüre die Urkraft
an der Quelle des Seins
Felsspalten
tiefe Schluchten aus rotem Stein
von Wasser geformt
uralte Kräfte werden frei
Danke für mein Leben

Nach einer Weile machte ich mich wieder an den Aufstieg und oben am Hügel bewunderte ich noch eine riesige Eiche, die so um die 400-500 Jahre alt ist, leider eingezäunt, so dass ich sie nicht berühren konnte. Mittlerweile dämmerte es schon an diesen kurzen Tagen, auf der Rückfahrt genoss ich noch das ganz andere Aussehen der Häuser in dieser Gegend. Und es tat einfach gut, mal woanders zu sein, immer wieder die ausgetretenen Pfade zu verlassen, es gibt so viel Neues und Schönes zu sehen. Im Dunkeln führte mich das Navi am Handy gut nach Hause durch viele unbekannte Orte und es war dann auch wieder schön, als ich die Ortsnamen wieder kannte und mich orientieren konnte. Der Tag klang noch länger in mir nach und hatte sehr gutgetan und mir Kraft gegeben. Danke!
Danke für deinen wundervollen Bericht wieder. Ich bin dann im Gefühl ganz bei Dir … sitze mit am See, esse mit Gemüse … und schaue und sehe und atme und fühle … und lebe. Danke. Hab Du weiterhin noch solch wundervolle WildfrauenTage. alles Liebe zu Dir. Herzensgrüße, Dani
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Liebe Dani, danke für deine Worte und fürs mitlesen, hab dich schon vermisst 😉 ganz liebe Grüße
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